Donnerstag, 21. Februar 2019

Aktienmehrheit VW übernimmt bei MAN das Steuer

Muss künftig direkt berichten: MAN-Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen (links) mit seinem Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch.

Die MAN-Hauptversammlung ging anders aus als gedacht, das Abfindungsangebot der Volkswagen AG auch. Die Erlangung der Kontrolle über den Münchener Nutzfahrzeugkonzern kommt teurer als erwartet, macht VW aber mit einem Schlag zum Mehrheitseigentümer - mit Folgen für MAN.

München - Volkswagen schwimmt in MAN-Aktien. Fast 36 Millionen Stammaktien wurden dem Wolfsburger Autokonzern angedient. Der VW-Stimmrechtsanteil springt von etwas über 30 auf 55,9 Prozent, wie das Unternehmen selbst mitteilte. Stolze 3,5 Milliarden Euro plus Spesen kostet das Abfindungsangebot den VW-Konzern, der dafür schon eine Kreditlinie vorbereitet hat.

Die Vorwürfe aus Anlegerkreisen, VW habe es nur auf eine billige Hauptversammlungsmehrheit abgesehen und wolle dennoch durchregieren, haben sich über Nacht erledigt. Selbst die EU-Kartellbehörden dürften nun keinen Zweifel mehr haben, dass VW den integrierten Nutzfahrzeugkonzern aus MAN Börsen-Chart zeigen, VW und Scania Börsen-Chart zeigen mit großem Engagement und Mut zum Risiko vorantreibt. Die Glaubwürdigkeit des ganzen Unterfangens ist eigentlich gestiegen.

Dennoch ist die breite Annahme des Abfindungsangebots eine Überraschung. War der Preis von 95 Euro je Stammaktie vielleicht doch nicht so schlecht, wie von den Fonds und sogar vom MAN-Vorstand kritisiert wurde? Schaut man auf das Jahr 2010 zurück, wo das Papier unter 70 Euro gehandelt wurde, bevor die Spekulationen über den umgekehrten Einstieg von Scania bei MAN begannen, könnte man das glauben. Andererseits brummt die Nutzfahrzeugkonjunktur und die Aussichten sind weiter glänzend.

Vor allem: Wieso sank der MAN-Kurs Ende Juni, also kurz vor Auslaufen der Angebotsfrist am 29. Juni, und auch noch am Tag danach so massiv unter den Angebotspreis, um dann am 1.7. wieder zu steigen? Durch die Preisdifferenz wurde das ursprünglich so schäbige Abfindungsangebot plötzlich interessant.

Rätselhafter Kursverlauf

Dass zumindest die professionellen Anleger ihre Verkaufsentscheidung erst ganz am Ende der Angebotsfrist treffen - oder ihre Handelscomputer entsprechend programmieren - ist zwar üblich. Aber wieso haben sie sie gerade so programmiert, dass reihenweise MAN-Aktien den Besitzer wechselten?

Glaubten die Anleger nicht an die Wertsteigerung bei MAN aus der Zusammenarbeit mit Scania? Dauert ihnen das ganze wegen der komplizierten kartellrechtlichen Genehmigung zu lange? Haben schlicht Hedge-Fonds mit Leerverkäufen Geschäfte gemacht? Oder gab es gar Kursmanipulationen? Die Aufsichtsbehörde Bafin prüft bei solchen Übernahmen routinemäßig auf Unregelmäßigkeiten, was aber einige Wochen dauert.

Vielleicht fürchteten die Anleger einfach das schnelle Ausscheiden der MAN SE aus dem Dax und damit ein geringeres Kurspotential? Dabei ist ein rascher Abschied vom Dax gar nicht ausgemacht, schaut die Deutsche Börse bei der nächsten Überprüfung am 3. September doch weniger auf den Streubesitz (Free Float), mehr auf die Marktkapitalisierung des Unternehmens und auf die Handelsumsätze der MAN-Aktie.

Dennoch: Der geänderte Free Float wird bei der Deutschen Börse offiziell zur Kenntnis genommen, und zwar schon in den nächsten Tagen. Das verlautet aus Finanzkreisen. Dabei hat die VW AG bis zur kartellrechtlichen Genehmigung der Übernahme noch gar keinen Zugriff auf die angedienten Aktien.

Und natürlich hat die MAN-Aktie ab heute eine neue Qualität, eine geringere, wenn man sich den aktuellen Kursverlauf ansieht. Viele Investoren werden gleich Aktien von Volkswagen Börsen-Chart zeigen kaufen, wenn sie vom integrierten Nutzfahrzeugkonzern profitieren wollen. Lediglich Inhaber von Aktien-Paketen, wie der Finanzinvestor Black Rock, könnten auf Zuschläge rechnen, wenn Volkswagen weitere Anteile von MAN erwerben sollte.

MAN gehöre jetzt zur VW-Familie, sagte ein MAN-Sprecher tapfer als Reaktion auf den veröffentlichten Stimmrechtsanteil. Die Zusammenarbeit mit VW und Scania gehe in eine neue offensive Phase.

Was er nicht sagt: MAN wird (wie etwa auch die VW-Tochter Audi) sich auf den Titel der eigenständigen Aktiengesellschaft nicht mehr viel einbilden können. Der Vorstand handelt jetzt endgültig nach Gnaden von VW. Die Marke MAN bleibt, aber über Strategie, Personal und Gewinnverwendung wird vom VW-Konzern entschieden und von den Familien Porsche-Piëch.

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