Donnerstag, 21. September 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Fukushima-Effekt Schrumpfender AKW-Markt treibt Konzerne in die Enge

Heißes Geschäft: Die führenden Kernkraftwerksbauer
Fotos
REUTERS

Die Aussichten für Kernkraftwerksbauer trüben sich ein. Staaten steigen aus der Atomenergie aus, Sicherheitsregeln treiben die Kosten für neue Meiler in die Höhe - Windstrom ist oft schon billiger als Atomstrom. Westliche Hersteller wie Areva leiden besonders. Siemens wird sich aus dem Geschäft wohl zurückziehen.

Hamburg - Die Ingenieure von Areva und Siemens arbeiten in Erlangen fast Tür an Tür. Im Gewerbegebiet an der Bundesstraße 4 unterhält der französische Kernkraftwerksbauer seine Deutschland-Zentrale, der Münchener Technologiekonzern ist mit der Sparte Power Generation vertreten. Die Nähe hat Tradition - lange tüftelten die Unternehmen gemeinsam an neuen Reaktortypen zum weltweiten Export.

Die Zeit der Gemeinsamkeiten ist inzwischen aber vorbei. Zum einen, weil die Zusammenarbeit nicht mehr klappte, und Siemens Börsen-Chart zeigen seinen Anteil an Areva Börsen-Chart zeigen abgegeben hat. Zum anderen, weil das eine Unternehmen (Areva) weiter an die Zukunft der Kernkraft glaubt, das andere (Siemens) mit dem Gedanken spielt, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.

Denn gut drei Monate nach dem Reaktorunglück im japanischen Kernkraftwerk Fukushima stehen die Chancen für das lange beschworene furiose Comeback der Atomenergie deutlich schlechter als zuvor. "Die Finanzierungsbedingungen für Kraftwerke werden zunehmend schwieriger, das Risiko wird anders bepreist", sagt Unternehmensberater Michael Kruse von Arthur D. Little.

Waren vor dem Reaktorunglück weltweit 570 Reaktoren in Bau oder Planung, sind es wenige Monate danach nur noch 533, wie die Unternehmensberatung ermittelt hat. Diese Zahl werde sich wegen der nun aufgetretenen Schwierigkeiten allerdings voraussichtlich um weitere 40 Prozent auf etwa 320 reduzieren.

Investitionen schrumpfen um 260 Milliarden Dollar

Statt wie in einem optimistischen Szenario gingen pro Jahr statt bis zu 45 nur noch bis zu 25 neue Meiler im Jahr ans Netz. In einem Negativszenario sind es sogar nur noch maximal 10 bis 15 pro Jahr.

Die US-amerikanische Beratung McIlvaine beziffert den Fukushima-Schaden für die Branche auf 260 Milliarden Dollar. In den Jahren 2011 bis 2015 würden, statt wie bisher erwartet 360 Milliarden, nur noch 100 Milliarden Dollar für neue Kernkraftwerke bereitgestellt (siehe Grafik).

"Die Probleme in Japan haben Sicherheits- und Gesundheitsbedenken sowie Unsicherheiten bei der Finanzierung hervorgerufen. Die Kosten für künftige Kraftwerke werden wohl steigen", urteilen die US-Experten. Die Investitionen würden stattdessen in Kohle- und Gaskraftwerke sowie die erneuerbaren Energien umgelenkt.

Seite 1 von 3
Nachrichtenticker

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH