Mittwoch, 14. November 2018

Insolvenz Strom-Discounter Teldafax ist pleite

Teldafax in Troisdorf bei Bonn: Nach dem Platzen der Blase am Neuen Markt verlegte sich das Unternehmen auf den Handel mit Strom und Gas

Der Strom- und Gasanbieter Teldafax ist zahlungsunfähig. Für die Kunden ändert sich zunächst nichts. Das Unternehmen, das kürzlich auch den Werbevertrag mit dem Bundesligisten Bayer Leverkusen gekündigt hatte, vertreibt konzernunabhängig Strom und Gas und konkurriert damit mit Konzernen wie RWE und Eon.

Düsseldorf - Das Unternehmen habe für die Holding und die wichtigste Tochter Teldafax Energy beim Amtsgericht Bonn Insolvenzanträge gestellt, teilte am Dienstag der als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Biner Bähr mit.

"Für die die Kunden ändert sich erstmals nichts. Die Vertragsbeziehung bleibt bestehen", sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Alles weitere hänge vom Insolvenzverwalter und dem Verfahren ab.

Teldafax hatte zeitweise nach eigenen Angaben rund 800.000 Kunden. Von dem Unternehmen, das seit Wochen in den Schlagzeilen ist, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Zahlreiche Netzbetreiber haben in den vergangenen Monaten die Verträge mit den Unternehmen gekündigt, da dieses trotz Mahnungen seine Rechnungen nicht bezahlt habe.

Teldafax vertreibt konzernunabhängig Strom und Gas und macht damit klassischen Anbietern wie Eon Börsen-Chart zeigen und RWE Börsen-Chart zeigen Konkurrenz. Die Firma habe nach eigenen Angaben mit zuletzt mehr als 600 Mitarbeitern 2010 einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro erzielt, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter mit.

"Rückschlag für den Wettbewerb"

Bähr werde sich im Unternehmen sofort einen ersten Überblick verschaffen, teilte dessen Kanzlei White & Case mit. "Teldafax hat im Markt in den letzten Monaten viel Vertrauen verloren. Das macht Lösungen nicht einfacher", erläuterte Bähr. "Aber angesichts der von Kartell- und Regulierungsbehörden beklagten festgefügten Marktstrukturen und geringen Wechselquoten auf dem Energiemarkt wäre es bedauerlich, wenn ein aktiver und unabhängiger Wettbewerber wie Teldafax aufgeben müsste."

Bähr war unter anderem auch schon als Insolvenzverwalter des Kaufhauskonzerns Hertie tätig. Teldafax mit Sitz in Troisdorf bei Bonn hatten früheren Angaben zufolge zu geringe Margen zwischen dem Ein- und Verkauf von Strom und Gas zu schaffen gemacht.

Teldafax verfügt über keine eigenen Kraftwerke. Die Firma unterbot lange Zeit dennoch die Preise zahlreicher Versorger. Es arbeitete dabei vielfach mit Vorauskasse. Verbraucherschützer hatten dieses Modell kritisiert.

Verträge mit Bayer Leverkusen gekündigt

Erst Anfang dieses Monats hatte Teldafax vorzeitig die millionenschwere Werbung auf den Trikots des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen gekündigt. Der noch bis 2013 laufende Sponsorvertrag wurde zu Ende Juni aufgehoben. Bayer bezifferte die für Teldafax frei werdenden Mittel auf gut 13 Millionen Euro.

Die Entscheidung sei Teil des Restrukturierungsprogramms, hatte das Unternehmen erklärt. Von den ehemals 780.000 Kunden seien in den vergangenen Monaten rund 150.000 verloren gegangen. Der neue Eigentümer habe aber versichert, das Unternehmen wieder auf Kurs bringen zu wollen, hieß es vor nicht einmal zwei Wochen. Teldafax gehört nach eigenen Angaben zu 100 Prozent dem zyprischen Finanzinvestor Prime Mark Financial Group.

la/reuters

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