Freitag, 16. November 2018

Energiewende Grüne wollen Stromdeal mit Aluhütten einfädeln

Aluhersteller Trimet: Unerwartete Unterstützung durch die Grünen

Aluminiumhütten sollen beim Atomausstieg und der Energiewende helfen. Das sieht zumindest ein Plan der Grünen vor. Sie wollen die Industrieunternehmen mit staatlichen Hilfen belohnen, wenn sie in Spitzenzeiten auf knappe Energie verzichten.

Düsseldorf - Politiker von Bündnis 90/Die Grünen wollen ein Kraftwerk einsparen - und bedienen sich dabei bei der besonders energieintensiven Aluminiumindustrie. Sie soll staatliche Hilfen bekommen, wenn sie ein intelligentes Energiemanagement betreibt.

Die Branche ist aufgrund ihres hohen Strombedarfs in der Aluminiumproduktion allerdings seit Jahren selbst dabei, ihre Stromrechnung so weit wie irgendmöglich zu drücken, um im internationalen Wettbewerb überhaupt noch eine Chance zu haben. Internationale Branchengrößen wie Aluminium Norsk, die zum norwegischen Energiekonzern Norsk Hydro gehören, haben in der Vergangenheit bereits Werke in Deutschland stillgelegt - mit dem Verweis auf damals bereits hohe Strompreise hierzulande. Viele Arbeitsplätze gingen in der Bundesrepublik so verloren.

Nach der Bahn sind die beiden Aluminiumhütten des Essener Trimet-Konzerns in Essen und Hamburg (von Norsk Hydro übernimmen) Deutschlands größte Stromverbraucher; sie alleine verbrauchen ein Prozent des Stroms. Die Betriebe laufen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr. Der Aluminierungsprozess kann aber bis zu vier Stunden ohne Strom auskommen. Wenn der Energiebedarf in Deutschland besonders hoch ist, so der Vorschlag der Grünen, schaltet Trimet ab und wird dafür finanziell entschädigt.

Die Aluhütten könnten auch einspringen, wenn der Strom aus den erneuerbaren Quellen nicht so recht fließen will, wenn etwa die Sonne nicht scheint und beim Wind Flaute herrscht. "Das spart ein Kohle- oder Atomkraftwerk, das sonst in Stand-by gehalten werden müsste", hat Reiner Priggen ausgerechnet, Fraktionschef der Grünen in NRW. Er hat zusammen mit Oliver Krischer, dem energiepolitischen Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, einen Fünfpunkteplan für Atomausstieg und Energiewende geschrieben.

"Die Aluwerke können binnen Sekunden abgeschaltet werden," gibt Priggen an, "damit sind sie flexibler als jedes Kraftwerk." Im Ausland, etwa in den Niederlanden, Spanien, Slowenien und Italien werden Aluproduzenten vom Staat bereits dafür entschädigt, dass sie bei Spitzenverbrauchszeiten auf Strom verzichten. Trimet verhandelt darüber seit zwei Jahren vergeblich mit der Bundesnetzagentur und freut sich jetzt über die unerwartete Unterstützung durch die Grünen.

bs/rtr

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