Freitag, 28. April 2017

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Audi-Vorstand Schwarzenbauer "Das Auto wird sich intensiv vernetzen"

"Audi Urban Future: Project New York": Fünf New Yorker Architekten gestalten Manhattan 2030 als "Work in progress" - im Maßstab 1:1200 entsteht ein Modell von Manhattan im Jahr 2030.

Audi interessiert sich neuerdings für Stadtplanung: 2010 wurde der Audi Urban Future Award verliehen. Nun organisierte der Konzern eine Ausstellung zu den Themen Mobilität und Stadt der Zukunft in New York. Audi-Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer erklärt, warum sich das Auto künftig der Stadt anpassen wird - und welche Folgen das für Audi hat.

mm: Herr Schwarzenbauer, warum interessiert sich ein Automobilkonzern für Architektur und Stadtentwicklung?

Schwarzenbauer: In der Vergangenheit haben sich Städte dem Auto angepasst. Wir glauben, dass es in Zukunft andersrum sein wird: Das Auto wird sich an die Stadt anpassen.

mm: Hat Audi neuerdings Kompetenzen im Bereich Urban Design?

Schwarzenbauer: In Zukunft gestalten wir unsere Produkte als Teil des urbanen Raumes, mit deutlich mehr Funktionen als nur des Transportes von A nach B. Wir müssen Kompetenzen in diesem Bereich aufbauen - und haben, seitdem wir den Award und als Dach die Audi Urban Future Initiative ausgelobt haben, bereits viel gelernt.

mm: Welche Strategie verfolgt Audi mit diesem Engagement?

Schwarzenbauer: Mit der Audi Urban Future Initiative geht es uns um die gesamthafte Betrachtung von Mobilität und Stadt. Unsere Produkte werden in ständigem Austausch mit ihrer Umgebung stehen. Und um den Weg in diese vernetzte Zukunft zu gestalten, treten wir in intensive Diskussionen zum Thema Urbanität. Das ist ein langfristig angelegtes Engagement.

mm: Für wie lange?

Schwarzenbauer: Ich würde sagen, da gibt es kein Ende. Denn die Diskussionen zur Entwicklung der Städte und zum Thema Mobilität bleiben auf unabsehbare Zeit hin relevant. Unser kurzfristiges Ziel dabei ist es, immer mehr Stakeholder in diese Diskussion einzubeziehen und die Gespräche auszuweiten.

mm: Welche müssen das Ihrer Meinung nach sein?

Schwarzenbauer: Wir sprechen heute mit Architekten, Soziologen, Städteplanern, Wissenschaftlern aus den verschiedenen Disziplinen. Im nächsten Schritt brauchen wir auch die Politik - vor allem auf lokaler Ebene. Stadtentwicklung muss als etwas Gesamtes gesehen werden. Dabei muss klar sein: Stadt ist nicht gleich Stadt. In der Öffentlichkeit diskutieren wir allzu häufig "die" Megacities. Dabei hat Los Angeles mit Shanghai wenig gemein. Und zugleich betrachten wir ja keine Dialektik zwischen Land und Megastadt: Die Vielfalt der urbanen oder peripheren Räume wird eher noch steigen. Wir bei Audi müssen uns darauf einstellen, dass wir verschiedene Lösungen für verschiedene Lebensräume brauchen werden.

mm: Diese Erkenntnisse sind vielleicht für Audi neu, aber interdisziplinäre Stadtentwicklungsdiskussionen gibt es ja nicht erst seit dem Engagement von Audi, sondern schon lange...

Schwarzenbauer: Neu ist, dass sich ein Automobilkonzern aktiv in die Diskussion einbringt und dazu beiträgt, den städtischen Raum wirklich gesamthaft anzusehen, um dann die Diskussion ins eigene Unternehmen hineinzutragen. Das Auto ist heute ein bestimmender Faktor im Stadtbild, in seiner Funktion aber im Prinzip völlig isoliert. In der Zukunft wird sich das Auto einbringen und intensiv vernetzen. Die Vorarbeit dazu leistet Audi heute.

mm: Das klingt mehr nach einer Branding-Stratgie, also dem Versuch, das Image durch Architektur aufzuladen...

Schwarzenbauer: Die Audi Urban Future Inititative ist für uns kein Marketing-Gag, sondern der Beginn eines für unsere zukünftige Produktstrategie entscheidenden Dialogs. Der Wettbewerb, den wir 2010 ausgelobt haben, war der Aufschlag, um eine Diskussion los zu treten, die wesentlich breiter ist als die bisherigen. Wir müssen uns auf ein Gesamtkonzept hin bewegen, das Politiker ebenso wie Architekten und Soziologen mittragen, aber eben auch Mobilitätsanbieter wie wir.

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