Samstag, 27. August 2016

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Mittelständische Bonds Maschinenbauer MAG gibt erstmals Anleihe aus

Maschinenbau: Der Boom der Autoindustrie hilft auch vielen mittelständischen Unternehmen. Einige von ihnen wagen sich nun an den Bondmarkt, um Wachstum zu finanzieren

Der deutsche Werkzeugmaschinenhersteller MAG IAS öffnet sich erstmals für den Finanzmarkt. Über eine Anleihe am Stuttgarter Börsensegment Bondm will MAG IAS 50 Millionen Euro einsammeln. Die Emission ist auch ein Testfall für die Stuttgarter Börse, ob Anleihen von Mittelständlern genug Anleger finden.

Hamburg - "Wir wollen noch im Januar erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit am Stuttgarter Börsensegment Bondm begeben. Die Zielgröße ist 50 Millionen Euro Emissionsvolumen", sagte MAG-IAS-Finanzchef Ralph Berndt dem manager magazin.

Welchen Zinskupon MAG IAS den Anlegern bieten muss, steht noch nicht fest. Als grobe Richtschnur gilt mit dem Vorgang vertrauten Personen die Anleihe des Autozulieferers Dürr, der im vergangenen Jahr einen Kupon von 7,25 Prozent für seine Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit an Bondm geboten hat.

Die MAG Gruppe war erst 2005 entstanden, als der US-Industrielle Mo Meidar begann, eine Reihe von deutschen Werkzeugmaschinenherstellern aufzukaufen, darunter die Firmen Honsberg, ThyssenKrupp MetalCutting, Ex-Cell-O und Boehringer. Im Juli 2010 wurden die Unternehmen auf die MAG IAS GmbH verschmolzen, die nun die Anleihe begibt.

Auto-Boom hilft

Anders als bei vielen Unternehmen, die aus mehreren Übernahmen durch einen Investor geschaffen wurden, hat MAG IAS laut der Zwischenbilanz zum 30. September 2010 keine Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. "Wir lösen mit der Anleihe keine Bankverbindlichkeiten oder alte Anleihen ab. Das Kapital soll unser Wachstum und die Weiterentwicklung unserer Technologien finanzieren", sagte Berndt. Die Restrukturierungskosten seien in den vergangenen Jahren aus dem Cashflow bezahlt worden.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2010 machte MAG IAS bei 250 Millionen Euro Umsatz ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von sieben Millionen Euro. Im Vergleich zum Krisenjahr 2009, als der Umsatz in den ersten neun Monaten nur 120 Millionen Euro betrug, hat sich der Umsatz von Januar bis September 2010 mehr als verdoppelt. Dabei half MAG IAS vor allem die starke Erholung der Autobranche, die 2010 für die Hälfte des Auftragsvolumens verantwortlich ist.

Für das neue Jahr ist Berndt zuversichtlich, wegen des erfreulichen Auftragseingangs: 2010 gingen Aufträge für 400 Millionen Euro bei MAG IAS ein, fast doppelt soviel wie im Vorjahr.

MAG IAS verzichtet bei der Emission auf Banken, Berater ist stattdessen die Münchener Finanzboutique Advisum. Rechtsberater war die Wirtschaftskanzlei GSK Stockmann + Kollegen.

Testfall für Stuttgarter Börse

Falls MAG IAS erfolgreich in Stuttgart Geld einsammelt, mehrt das den Erfolg der dortigen Börse bei ihrem Werben um kleinere Unternehmen. Bisher haben Unternehmen mit neun Anleihen mehr als 750 Millionen Euro am neuen Börsensegment Bondm aufgenommen.

Die jüngste Emission war im Dezember jedoch schleppend verlaufen: Der Solarzulieferer Rena konnte nur 25 Millionen Euro einsammeln, obwohl er eine Anleihe über bis zu 75 Millionen Euro angekündigt hatte. Die MAG-IAS-Anleihe ist daher ein Testfall dafür, ob das Interesse der Anleger an Bonds von Mittelständlern noch immer vorhanden ist.

Insgesamt bezeichnen Analysten die Nachfrage nach Unternehmensanleihen als hoch, da Firmen-Bonds höhere Renditen bieten als die vieler noch solider Staatsanleihen. "Neuemissionen werden weiterhin stark nachgefragt", urteilen die Analysten von Raiffeisen Capital Management.

MAG IAS muss bei der im laufenden Monat geplanten Werbetour bei Investoren beweisen, ob das auch für seine Anleihe gilt.

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