Freitag, 22. Februar 2019

Weißer Ritter Katar wird Großaktionär bei Hochtief

Qatar Holding: Die graue Eminenz der Finanzwelt
REUTERS

Das Emirat Katar steigt mit 9,1 Prozent bei Hochtief ein. Damit hat der deutsche Baukonzern nun doch noch einen weißen Ritter gefunden, der die Übernahme durch ACS erschweren könnte. Ein Sprecher des Konzerns nennt jedoch andere Gründe für den Einstieg.

Essen - "Das ist keine Abwehrmaßnahme", sagte ein Hochtief-Sprecher am Montag. Grund für den Einstieg Katars sei vielmehr die seit langem bestehende Partnerschaft und gemeinsame neue Projekte in dem Emirat. Hochtief und Katar seien über einen Einstieg seit langem im Gespräch gewesen.

Hochtief Börsen-Chart zeigen hatte am Montag angekündigt, dass das Emirat Katar nach einer Kapitalerhöhung des Baukonzerns 9,1 Prozent am neuen Grundkapital halten werde. Bei der Kapitalerhöhung sollen knapp sieben Millionen neue Aktien zum Preis von je 57,11 Euro ausgeben werden. Damit fließen dem Essener Baukonzern rund 400 Millionen Euro zu.

Die geplante Kapitalerhöhung solle noch in diesem Jahr eingetragen werden, kündigte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter an. Planungen für weitere Kapitalerhöhungen gebe es derzeit nicht. Grundsätzlich seien jedoch weitere Kapitalmaßnahmen im Umfang von bis zu 20 Prozent möglich.

Die Kapitalerhöhung werde unter Ausschluss des Bezugsrechts der bestehenden Aktionäre vorgenommen. Der spanische Wettbewerber ACS, der knapp 30 Prozent der Anteile an Hochtief hält und die Mehrheit übernehmen will, käme somit nicht zum Zug. Zudem würde der ACS-Anteil auf 27,2 Prozent verwässert.

Die Spanier hatten vor Kurzem ein offizielles Übernahmeangebot eingereicht, das noch bis zum 29. Dezember läuft. Der Baukonzern bietet acht eigene Anteilsscheine für jeweils fünf Hochtief-Titel. Zu dem Einstieg von Katar wollte sich ACS zunächst nicht äußern.

Hochtief spekuliert auf Aufträge für den Bau von Fußballstadien

Der Vorstand von Hochtief empfindet das Übernahmeangebot seines spanischen Konkurrenten als feindlich und sucht bereits seit Wochen nach einer Möglichkeit, die Übernahme zu verhindern. Bis jetzt verfehlte jede Giftpille allerdings ihr Ziel.

Der Einstieg eines neuen Großaktionärs galt als eine der letzten verbliebenen Möglichkeiten, um die Übernahme noch zu verhindern. Mit dem Zehn-Prozent-Paket für Katar kann Hochtief die Übernahme zwar nicht verhindern. Branchenkenner erwarten jedoch, dass Katar über die Börse weitere Anteile erwirbt oder bereits erworben hat.

Spekulationen über einen Einstieg des Emirats, das auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausrichtet und dafür Milliardeninvestitionen in die Stadien und Infrastruktur angekündigt hat, gibt es seit Wochen. Hochtief plant eine strategische Zusammenarbeit mit Katar und schielt auf Aufträge für das Sportgroßereignis. "Wir werden unser Know-how für die Ausrichtung der WM anbieten", kündigte ein Hochtief-Sprecher an.

Der Einstieg Katars sei ein "deutliches Signal an ACS", hieß es in Finanzkreisen. Mit dem Emirat, das politisch und wirtschaftlich bestens verdrahtet ist, sitze eine neue Partei mit am Tisch. "Qatar Holding ist der Ansicht, dass Hochtief gut positioniert ist und exzellente Geschäftsaussichten hat", zitierte Hochtief den Investor.

Aktionärsschützer: "Es muss noch mehr kommen"

Hochtief ist bereits über fünf Tochtergesellschaften in Katar vertreten und beschäftigt vor Ort mehr als 5000 Mitarbeiter. Projekte sind unter anderem eine mehr als acht Kilometer lange Einkaufs- und Geschäftsstraße in der katarischen Hauptstadt Doha für etwa 1,3 Milliarden Euro.

Zudem plant Hochtief seit 2008 als Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Qatar Bahrain Causeway die längste Länderverbindung der Welt. Auch entwickelt der Konzern in einem weiteren Gemeinschaftsunternehmen bis 2020 eine komplett neue Stadt in Katar für 200.000 Menschen. Diese solle dann auch Gastgeberin der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 sein.

Am Aktienmarkt wurde der Einstieg Katars positiv gesehen. Das im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Hochtief-Papier legte am Montag 5,62 Prozent auf 63,50 Euro."Es ist ein Signal der Hoffnung", sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Mit dem Anteilserwerb der Holding des Emirats Katar stiegen die Chancen für eine Abwehr gegen den Angreifer ACS. "Es muss aber noch mehr aus Katar kommen", betonte Cabras. Um einen schlagkräftigen Gegenpol zu ACS zu bilden, sei eine Sperrminorität erforderlich.

mg/dpa/rtr

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