Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Eurostar Pariser Zweifel am ICE erzürnen deutsche Industrie

Schnelle Züge: Das Rennen zwischen ICE, TGV und Co.
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dapd

Die deutsche Industrie schäumt über Frankreichs Kritik an den Hochgeschwindigkeitszügen von Siemens. Zehn ICE-ähnliche Züge sollen bald für Eurostar nach London fahren, doch Paris hält sie für unsicher. Ein klarer Fall von Protektionismus zugunsten des französischen Konkurrenten Alstom, heißt es bei BDI und Bahnherstellern.

Hamburg - Dieser Auftrag hat Frankreich offenbar schwer verletzt. Als "null und nichtig" hatte Verkehrsminister Dominique Bussereau die wahrscheinliche Bestellung des Bahnanbieters Eurostar für zehn Hochgeschwindigkeitszüge bei Siemens bezeichnet. Die Sicherheit sei möglicherweise nicht garantiert. Bisher hat ausschließlich der französische Hersteller Alstom Züge an das britsch-französisch-belgische Konsortium geliefert.

Die deutsche Industrie wittert eine der gefürchteten industriepolitischen Interventionen des Nachbarn. Auch bei anderen Wirtschaftsvertretern wächst der Ärger über Frankreich. "Staatliche Intervention untergraben in eklatanter Weise Binnenmarkt und fairen Wettbewerb in Europa", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie gegenüber manager magazin. "Dass Eurostar auf einen deutschen Zug setzt, ist sehr erfreulich. Es zeigt, das es bei Ausschreibungen um beste Leistungen geht, nicht um nationale Erbhöfe."

Die Bahnindustrie schlägt in dieselbe Kerbe. "Das ist ein nicht zu akzeptierender Fall von Protektionismus und ein Rückschlag für die Handelsfreiheit in Europa", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie, Ronald Pörner, gegenüber manager magazin. "Wir glaubten, diese Form der Abschottung überwunden zu haben."

Die französische Seite hatte auf die Rettungsvorschriften im Eurotunnel hingewiesen. Diese besagen, dass Eurotunnel-Züge von vorne bis hinten zu durchlaufen sein müssen. Die modernen ICEs, die ebenfalls von Siemens Börsen-Chart zeigen gebaut werden, sind aber in zwei Halbzüge unterteilt. Ein Vertrag mit Siemens könne erst unterschrieben werden, wenn die Sicherheit garantiert werden könne. Eine Prüfung werde ungefähr zwei Jahre dauern, hatte Bussereau angemerkt.

"Das sind vorgeschobene Gründe", sagte Pörner. Industriekreisen zufolge hat Siemens ohnehin ein Angebot mit einteiligen Zügen eingereicht.

Technische Hürden lassen sich ausräumen

Eine weitere Hürde für die deutschen Züge ist eine Bestimmung, nach der Eurotunnel-Züge vorn und hinten mit je einer Lok (Triebkopf) ausgestattet sein müssen. Die Ausschreibungsbedingungen von Eurostar allerdings erforderten Züge mit Achsantrieb - wie von Siemens offeriert. Eurotunnel könnte die Sicherheitsbestimmungen nach eigenen Angaben aber ändern. Im Umfeld von Siemens gibt man sich daher "zuversichtlich, dass die Gremien sich richtig entscheiden".

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