Freitag, 14. Dezember 2018

China-Milliardär lässt US-Metallindustrie zittern Die merkwürdige Weltreise von 500.000 Tonnen Aluminium

Aluminiumbarren (in Saudi-Arabien): Ein Siebtel des Weltvorrats lagert plötzlich in Vietnam

2. Teil: Die dubiose Rolle von China-Milliardär Liu: Rote Diamanten und ein kaputter McLaren

Liu Zhongtian (beim Börsengang 2009)

Laut einem früheren Bericht des "Wall Street Journal" von September könnte die jahrelange Wartezeit vor allem den chinesischen Milliardär Liu Zhongtian treffen, der darauf mit einem bizarren Versteckspiel antwortete. Die Verbindung seines Alukonzerns Zhongwang zu den marodierenden Megatonnen ist nicht direkt nachweisbar, das "Journal" hat aber einige Hinweise zusammengetragen, die auch von US-Behörden in einem nun laufenden Ermittlungsverfahren ernst genommen werden.

Die Metallteile wurden von Zhongwang an unabhängige chinesische Händler verkauft, die sie wiederum über einen in Singapur ansässigen Aufkäufer nach Mexiko lieferten. Die letzten beiden Adressen gehörten einem gewissen Eric Shen und die wohl als Alibi gedachte kleine mexikanische Schmelze Aluminicaste zumindest zeitweise dessen Freund Liu Zuopeng - dem Sohn von Liu Zhongtian.

Jedenfalls befanden die USA, das Aluminium von Aluminicaste sei in Wahrheit Reimport von Zhongwang und unterliege deshalb dem Strafzoll von 374 Prozent. Als Ausweg plante Shen den milliardenteuren Bau eines neuen Werks in Kalifornien, um den Rohstoff einzuschmelzen, als US-Produkt neu zu gießen und zu formen. Dort präsentierte er Liu als Referenz. Der tauchte auch auf, wollte aber nur unverbindlich mit den lokalen Behörden plaudern.

Es sieht nach einem Zerwürfnis aus. "Ich kenne den nicht mal sehr gut. Warum sollte ich ihm Geld geben?", teilt Liu Zhongtian über Eric Shen mit. Auch bei den Nordamerika-Abenteuern des eigenen Sohns "habe ich nicht geholfen", sagt der Mann, der auf dem eigenen Fabrikgelände wohnt.

Das schlagende Argument: "Es ergibt finanziell keinen Sinn"

Aktenkundig ist ein Gerichtsstreit Lius mit Shen, der auf großem Fuß in den USA lebte. Teure Häuser, ein Gulfstream-Privatjet, ein Ferrari von 1963 für 32 Millionen Dollar, rote Diamanten für mehr als 70 Millionen Dollar - einiges davon ließ Liu beschlagnahmen, auch einen Formel-Eins-McLaren, den Shen in Italien zu Schrott gefahren hatte (wobei ihm bizarrerweise der britische TV-Komiker Rowan Atkinson aus dem Wrack half).

Enttäuschung über die fehlgeschlagene Strategie, den Strafzoll zu umgehen? In Vietnam ist das Aluminium in den Händen eines weiteren Geschäftspartners gelandet: Jacky Cheung, der auch die Kontrolle über Aluminicaste in Mexiko übernommen hat. Für vietnamesische Metallerzeugnisse gelten in den USA nur 5 Prozent Zoll. Aber warum sollten die Behörden den Import jetzt durchwinken, da sie schon gegen Zhongwang ermitteln?

Eine Firmensprecherin weist eine Verwicklung mit dem unschlagbaren Argument zurück: "Es ergibt finanziell überhaupt keinen Sinn, Aluminiumprodukte zu horten."

Wenn die Reise der inzwischen 1,7 Millionen Tonnen Aluminium ein Ziel hat, dann ist es vielleicht die US-Industriestadt Cleveland. Dort hat Liu im Sommer für 2,3 Milliarden Dollar die Alufirma Aleris gekauft. Der alte Plan: alles einschmelzen und made in USA neu gießen, verbunden mit dem Claim "Make America Great Again" - so könnte es vielleicht klappen.

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