Mittwoch, 29. Juni 2016

Grüne Technik in der Old Economy Hier erfindet sich die Stahlindustrie neu - obwohl es nicht so aussieht

Es klappt: Die Hisarna-Pilotanlage im Tata-Steel-Werk Ijmuiden hat Roheisen ohne Hilfe von Erzpellets, Sinter und Koks erzeugt - im jüngsten Versuch 2014 immerhin 600 Tonnen
Die Anlage wirkt archaisch. Auf mehreren Etagen stapeln sich Rohre und Kessel, steinerne Rinnen führen von und zu einem großen Ofen. Im Moment passiert hier gar nichts, aber wenn der Betrieb wieder losgeht, schießt hier rohes Eisen durch, heiß, rot und flüssig, bevor es einfach durch ein Loch nach unten in hoffentlich bereitstehende Kesselwaggons stürzt. Dann sieht es hier ganz ähnlich aus wie bei den fleißig schmiedenden Zwergen im Fantasy-Film. Von irgendwo oben tropft Wasser durch das Gebäude, aber das ist nur ein Leck im Kühlsystem.

Das werden sie reparieren müssen hier im holländischen Ijmuiden, und noch einiges mehr umbauen, bevor das Pilotprojekt Hisarna auf dem Gelände des indischen Konzerns Tata Steel 2016 wieder Eisen gießt. Als Nebenprodukt könnte Hoffnung entstehen: auf eine grünere Art der Stahlerzeugung, auf dauerhafte Kostenersparnis für die Branche, vielleicht sogar auf eine Zukunft der Basis von Schwerindustrie in Europa überhaupt.

Die Zeichen dafür stehen neuerdings besser. Am Mittwoch gewährte die EU einen Zuschuss für den Langzeittest von Hisarna. Wenn der gelingt, "haben wir die Grundlage für die nächste schwierige Entscheidung, es auch mit einer Großanlage zu versuchen", erklärt Tata-Steel-Europe-Chef Karl-Ulrich Köhler.

Die EU subventioniert das Projekt - aber noch fehlen einige Millionen Euro

Der Branchenveteran, früher als Stahlvorstand bei ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen, muss gemeinsam mit den Partnern aus der Industrie noch fünf von 25 Millionen Euro auftreiben, gibt sich aber zuversichtlich. "Wir wollen es einfach wissen. Wir wollen sehen, dass es funktioniert."

Trotz des rustikalen Ambientes verspricht Hisarna einen Sprung in die Moderne. Die Technik tritt an, um die riesigen Hochöfen abzulösen, die seit eh und je das Gesicht der Branche prägen.

"Wir haben überlegt, wie wir Stahl machen würden, wenn wir den Prozess aus dem Nichts erfinden müssten", berichtet Johan van Boggelen, der Leiter der Anlage. "Die existierende Technik lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad verbessern." Die effizientesten Werke - wie natürlich Tata Steel in Ijmuiden - hätten das Maximum schon annähernd erreicht.

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