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07.11.2012
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Schienenkartell

Gutachten entlasten ThyssenKrupp-Vorstand

ThyssenKrupp-Werk in Duisburg: Erleichterung bei ThyssenKrupp
DPA

ThyssenKrupp-Werk in Duisburg: Erleichterung bei ThyssenKrupp

Das Kartell "Schienenfreunde" flog im vergangenen Jahr auf, aber schon 2006 soll ThyssenKrupp-Vorstand Edwin Eichler Hinweise auf die Machenschaften erhalten haben. Zwei Gutachten sprechen Eichler nun vom Vorwurf der Pflichtverletzung frei.

Essen - Zwei Gutachten kämen zu dem Ergebnis, dass der Stahlvorstand Edwin Eichler keine Pflichtverletzung begangen habe, teilte ThyssenKrupp mit. Sowohl die Anwaltskanzlei Freshfields als auch der Münchener Strafrechtsexperte Professor Klaus Volk sähen keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des Managers.

Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns hatte die Gutachten im Oktober in Auftrag gegeben, nachdem der Vorwurf aufgekommen war, Eichler sei im Jahr 2006 Hinweisen auf ein Schienenkartell, in das ThyssenKrupp Chart zeigen ebenfalls verstrickt war, nicht ausreichend nachgegangen. Die damals eingeleiteten Untersuchungen waren folgenlos geblieben, das Kartell "Schienenfreunde" flog erst im vergangenen Jahr auf.

Strafrechtler Volk kommt laut Konzern in seinem Gutachten zu dem Schluss, dass "keine tatsächlichen Anhaltspunkte" für ein strafbares Verhalten von Eichler vorliegen. Es sei zudem nicht ersichtlich, dass es der Manager versäumt habe, den Angaben einer nach den Hinweisen eingeleiteten, aber ergebnislosen Prüfung zu misstrauen. Freshfields urteilte, dass die Erkenntnisse keine personellen Konsequenzen rechtfertigten.

ThyssenKrupp musste mehr als 100 Millionen Euro Strafe zahlen

ThyssenKrupp betonte, dass die Vorwürfe gegen Eichler aus dem Kreis der Kartelltäter stammten. "Diese Vorwürfe beruhten ausschließlich auf angeblichen Kenntnissen vom Hörensagen und haben sich mit den vorliegenden Gutachten in keiner Weise bestätigt", erklärte der Konzern. Dass die Verstöße bei der ThyssenKrupp-Tochter GfT Gleistechnik erst im vergangenen Jahr festgestellt wurden, begründet das Unternehmen mit "der hohen kriminellen Energie" der Kartelltäter. Diese hätten durch "bewusstes Verschweigen" und "systematisches Lügen" eine frühere Aufklärung verhindert.

Beteiligt waren zahlreiche Hersteller - neben ThyssenKrupp etwa auch Vossloh und die österreichische Voestalpine. Sie sollen über Jahre Preise zum Schaden der Deutschen Bahn abgesprochen haben. Deshalb verhängte das Bundeskartellamt im Juli dieses Jahres Bußgelder in Höhe von insgesamt 124,5 Millionen Euro, von denen ThyssenKrupp mit 103 Millionen Euro den größten Teil aufgebrummt bekam. In einem weiteren Verfahren prüft die Behörde Strafen wegen Absprachen zulasten von Nahverkehrsbetrieben. Bekannt ist, dass die Kartellbrüder mehrfach zusammen in Bordellen gefeiert haben.

Der seit Anfang 2011 amtierende ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger will einen Teil der Strafe von den in die Absprachen involvierten Mitarbeitern zurückbekommen. Der Manager hatte nach Bekanntwerden der illegalen Preisabsprachen durchgegriffen und zwölf Mitarbeiter sofort entlassen. Dazu zählen mehrere Vertriebsverantwortliche, ein Geschäftsführer und der zuständige Bereichsvorstand. Alle anderen erhielten verschärfte Regeln an die Hand.

mg/dpa-afx

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