Von Sarah Sommer, Düsseldorf
Der goldene Handschlag für altgediente Mitarbeiter könnte die Eigner der WestLB, also die Sparkassen und das Land Nordrhein-Westfalen, allerdings teuer zu stehen kommen. "Die Mitarbeiter der WestLB sind ja durch diverse Krisen schon leidgeprüft, viele der jüngeren Mitarbeiter sind in den vergangenen Jahren bereits gegangen", sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Faust hat selbst einst seine Bankausbildung bei der WestLB absolviert und beobachtet den Niedergang der einst stolzen Landesbank seit langem. "Die Mitarbeiter, die jetzt noch da sind, sind oft langjährige, altgediente Mitarbeiter", sagt Faust. Mit der Perspektive Abwicklung vor Augen sinke deren Motivation nun immer weiter.
"Dennoch ist es natürlich schwierig für die Bank, diese Mitarbeiter loszuwerden - und gerade die langjährigen Mitarbeiter haben noch extrem großzügige Arbeitsverträge." So sei es etwa früher üblich gewesen, dass die Bank für Mitarbeiter, die länger als zwanzig Jahre im Betrieb waren, Sozialversicherungskosten übernommen habe. "Die Abfindungen für diese Mitarbeiter und ihre Pensionszusagen werden entsprechend teuer." Das könnte auch potenzielle Käufer abschrecken, Teile der WestLB zu übernehmen. "Die alteingesessenen Mitarbeiter sind ein enormer Kostenfaktor. Gleichzeitig haben junge, qualifizierte Kräfte die Bank verlassen und fehlen nun."
Ersatz für die jungen Leistungsträger zu finden, könnte indes schwer werden. Auf ihren Karriereseiten sucht die WestLB derzeit nach Spezialisten für das Risikomanagement. "Die sind aber gerade in allen Banken sehr gefragt, weil sie die schärfere Finanzmarktregulierung umsetzen müssen", sagt Wilhelm-Christian Helkenberg, Managing Partner der Münchener Personalberatung Heads.
Ein Ansturm auf Stellen bei der WestLB sei daher kaum zu erwarten. Im Gegenteil: Konkurrenten und Headhunter haben die verbliebenen WestLBler ins Visier genommen. "Viele Mitarbeiter warten jetzt offenbar erst einmal ab, wie die Abfindungen geregelt werden, bevor sie sich nach neuen Stellen umschauen oder auf die Angebote von Headhuntern eingehen", sagt Helkenberg.
Auch mancher potenzielle Käufer für Teile der WestLB könnte sich denken: Warum einen Unternehmensteil kaufen, wenn man auch einfach die Mitarbeiter und Kunden abwerben kann?
Die WestLB werde daher auf jeden Fall in den kommenden Monaten einen Aderlass erleben, vor allem bisher noch zögerliche junge Talente würden das Unternehmen jetzt verlassen, meint Thomas von Ciriacy-Wantrup, auf die Finanzbranche spezialisierter Personalberater bei Fricke Finance & Legal in Frankfurt. "Es ist zu beobachten, dass sich jetzt einige Konkurrenten der WestLB stärker in der Region Düsseldorf engagieren und ihre Firmenkunden-Teams ausbauen", berichtet er. "Wie viele Mitarbeiter der WestLB der Markt aufnehmen kann, ist aber fraglich. Viele werden in der Region keinen neuen Job finden."
Menschliches Versagen: Der tiefe Fall der WestLB
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