Von Thomas Werres
Hamburg - Kurt Bock, der neue Vormann der BASF, will den weltgrößten Chemiekonzern binnen neun Jahren auf einen Umsatz von sagenhaften 115 Milliarden Euro bringen. Das bisher für 2020 gültige Konzernziel, das bei ambitionierten 90 Milliarden gelegen hatte, wirkt dagegen fast schon lächerlich niedrig.
Es hatte sich angedeutet, dass Bock hoch hinaus will; manager magazin hatte Ende Oktober darüber berichtet. Dennoch ist dem Vormann, der in Augen vieler Beobachter bislang blasser wirkte als der energiegeladene Vorgänger Jürgen Hambrecht, mit seiner Programmvorstellung eine Überraschung gelungen.
Denn die BASF bleibt auch in puncto Profitabilität ambitioniert. Der Gewinn soll noch schneller wachsen als der Umsatz. Das ist eine klare Ansage und insofern beachtenswert, weil etliche Experten für die Chemiebranche im allgemeinen einen Verfall der Margen erwarten.
Kann Bock halten, was er spricht? Davon ist auszugehen. Bei der BASF macht man keine leichtfertigen Versprechen. Das haben die ehemaligen Chefs Jürgen Strube und Jürgen Hambrecht unter Beweis gestellt. Und Bock ist keinesfalls weniger solide. Jahrelang hat er sich um die Finanzen des Konzerns gekümmert und geliefert, was erwartet wurde.
Gründliche Strategiearbeit bei BASF
Seitdem Bock an der Spitze steht, hat er vor allem gründliche Strategiearbeit geleistet und auch einen detaillierten Plan vorgestellt, wie die neuen Ziele erreicht werden sollen. Mit dieser Verbindlichkeit setzt er sich auffallend etwa von Siemens-Chef Peter Löscher ab. Der hatte im Frühjahr für den Münchener Technikkonzern ebenfalls eine neue Umsatzmarke (100 Milliarden Euro) ausgegeben. Doch wann genau und vor allem wie die erreicht werden soll, ließ der Siemens-Mann offen.
Natürlich stimmt Bocks Umfeld. Wenn die Analysen zutreffend sein sollten, dann steht die Chemiebranche vor einer Dekade der Prosperität, mit 4 Prozent weltweitem Wachstum pro Jahr. Die BASF
will davon wie schon in der Vergangenheit überproportional profitieren. Schließlich agiert der Weltmarktführer aus einer Position der Stärke heraus. Der Konzern ist global aufgestellt, in den Wachstumsmärkten in Asien und Südamerika gut vertreten. Zudem haben die Ludwigshafener Strategen rechtzeitig den Konzern in Richtung hochmargiger Spezialprodukte umgebaut.
Wenn Bock dieses System jetzt ausbaut und verfeinert, kann er tatsächlich weitere Potenziale heben. So ist er gut beraten, viel Kraft und Geld in Innovationen etwa bei der Batterietechnik für Elektroauots oder der Optimierung von Feldfrüchten zu stecken. 30 Milliarden Euro des für 2020 anvisierten Umsatzes sollen daraus resultieren.
Die BASF scheint unter Bock auf dem richtigen Weg zu sein. Was kann der neue Vormann noch verbessern? Vielleicht die Außenpräsenz. Der ehemalige Finanzer scheint nach wie vor gerne mit Analysten und Investoren zu reden, weniger freudig mit Journalisten und Politikern. Schade eigentlich. Denn offenbar hat der Mann viel drauf und wohl auch einiges zu sagen.
BASF: Kurt Bock hebt Gewinnziele an
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