Von Cornelia Knust
München - Jeans, Sakko, weißes Hemd, zwei Knöpfe offen. So präsentiert sich der neue Chef des börsennotierten Sportartikelkonzerns Puma
. Natürlich, irgendwo, ein Stück weit, an der Stelle, am Ende des Tages, das sind seine liebsten Vokabeln, dazu ein gedehntes, kaum Widerspruch duldendes Ja am Ende der meisten Sätze und natürlich jede Menge Anglizismen. Aber auch aparte Eindeutschungen wie das Partizip "aufgegleist", was wahrscheinlich vom englischen "set on track" abgeleitet ist.
Obwohl 32 Jahre jung (genau das Durchschnittsalter seiner Firma) scheint Franz Koch also schon alles zu beherrschen, was ältere Kollegen in deutschen Vorstandsetagen erst mühsam lernen mussten. Selbstbewusst pariert er im Club Wirtschaftspresse München alle Fragen der Journalisten und lässt sich nicht zu unbedachten Äußerungen hinreißen. Obwohl er in seiner Beherrschtheit gar nicht so jugendlich wirkt, nennt er doch seine Jugend als wesentliches Differenzierungsmerkmal nach den ersten 81 Tagen im Amt des Puma-Chefs.
"Ich komme aus der Mitte der Puma-Organisation", betont er seine guten Verbindungen ins Haus, dem er vorher vier Jahre als Vorstand Konzernstrategie diente. Seit der Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft im Juli gibt es bei Puma
nur noch "geschäftsführende Direktoren". Gleichzeitig hat sich Jochen Zeitz, 18 Jahre Vorstandsvorsitzender in Herzogenaurach und jetzt Chef des Aufsichtsrats, nach Paris abgesetzt. Bei der Muttergesellschaft Pinault Printemps Redoute (PPR) lenkt er seit Oktober 2010 die neue Sparte Sport Lifestyle und kümmert sich um das Thema Nachhaltigkeit im Konzern.
Feiern im Club
In Zeitz' Büro im Fränkischen residiert jetzt Nachfolger Koch, der berichtet, es sei jetzt nicht mehr weiß gestrichen, sondern farbenfroh: hellgrau, mittelgrau und so weiter. Außerdem habe er das hauseigene Fitnessstudio aufmöbeln lassen und einen Social Club initiiert, in dem die Mitarbeiter Tischfußball oder Pingpong spielen könnten. Neulich habe man da sogar sehr fröhlich ein Inhouse-Oktoberfest gefeiert.
Doch meistens scheint Koch zu arbeiten, und zwar nach einem Fahrplan, den er unter dem Titel "Back on the attack" als Strategiechef selbst mit aufgestellt hat. "Die Hauptmessage ist, dass wir auf Kurs sind" sagt er zum Stand dieses Programmes, mit dem Puma bis 2015 den Umsatz von drei auf vier Milliarden Euro steigern und außerdem "das begehrteste und nachhaltigste Sport-Lifestyle-Unternehmen der Welt" werden will.
"Es ist fair zu sagen, dass Puma gerade nicht die heißeste Marke ist", sagt Koch zum jetzigen Stand in der Sportartikelwelt. Um wieder so zu werden, brauche die Firma Produktinnovationen (oberste Priorität laut Koch) und schillernde Markenbotschafter, die sie sich jetzt gerade mit drei neuen Fußballstars eingekauft hat (bei der nächsten Fußball-Europameisterschaft wird Puma aber wohl nur Italien ausstatten).
Außerdem müsse die Organisation schneller auf aktuelle Trends reagieren und die eigenen Geschäfte oder die wichtigsten Großkunden oder den Internetversand rasch mit frischer Ware beliefern können, sagt Koch. Schließlich soll der Absatz in eigenen Vertriebsschienen einschließlich Internet bald 25 Prozent vom Umsatz erreichen.
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