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04.02.2011
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Unternehmens-Evakuierung in Ägypten

Alis Durchbruch zum Lufthansa-Jet

Von Sarah Sommer

Aufstand in Ägypten: Chaos und Gewalt in Kairo
Fotos
DPA

2. Teil: Bei Leoni in Ägypten arbeiten Tausende einfach weiter

Auch bei Siemens hält man sich bedeckt. Es gebe ein Krisenmanagement-Team in Ägypten und in der Konzernzentrale, die die Situation in der Region genau beobachten. Die meisten der 480 Mitarbeiter vor Ort seien Ägypter, der Großteil der ausländischen Mitarbeiter habe das Land verlassen. Aber: "Wir geben keine Wasserstandsmeldungen zur aktuellen Lage ab", heißt es.

Trotz der aktuellen Unruhen optimistischer ist die Stimmung beim Automobilzulieferer Leoni. Mit 4000 Mitarbeitern in Ägypten und 12.000 weiteren Mitarbeitern in Tunesien ist der MDax-Konzern von der aktuellen Entwicklungen in beiden nordafrikanischen Staaten besonders stark betroffen.

Nachdem Anfang der Woche die Produktionsstätten in Ägypten nahezu stillstanden, organisierte das Nürnberger Unternehmen spezielle Bustransporte, um die Mitarbeiter sicher an ihren Arbeitsplatz zu bringen. "Heute sind trotz der starken Unruhen und der Streiks 80 bis 90 Prozent der Belegschaft anwesend", meldet ein Konzernsprecher erleichtert.

Krisenerprobt und daher relativ entspannt gibt man sich auch beim Logistikkonzern DHL: Die routinemäßig vorbereiteten Notfall-Pläne würden jetzt greifen. "Einige Tage lang konnten unsere Express-Dienste im Inland nicht ausliefern", berichtet ein Sprecher. Seit heute aber habe man in Kairo speziell gesicherte Abholstationen eingerichtet. Das DHL-Büro in Kairo sei geöffnet, Kunden könnten sich hier oder über eine Hotline über die Standorte der Versandstationen in der Stadt informieren. Bei größeren Frachtsendungen hingegen gebe es weiterhin Verzögerungen, weil die Lager- und Transportkapazitäten begrenzt seien.

Siag-Verantwortlicher Raue: "Ich hätte das gleiche wie Ali getan"

Von Optimismus nichts zu spüren ist dagegen beim Handelskonzern Metro Chart zeigen. Die Unternehmensgruppe hat bereits alle internationalen Mitarbeiter aus Ägypten ausgeflogen und beide Kairoer Großmärkte geschlossen. "Ein Standort war bereits am Freitag überfallen und in Brand gesteckt worden, der zweite wurde am Samstag geplündert", berichtet ein Sprecher. Zwar war nur ein Mitarbeiter leicht verletzt worden, man wolle aber keine weiteren Vorfälle riskieren. "Zur Fortführung beziehungsweise Expansion unserer Aktivitäten in der Region brauchen wir politische Stabilität und Planungssicherheit", sagt der Metro-Sprecher. "Wir hoffen deshalb, dass sich die Situation schnell beruhigt." Wann die Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder nach Ägypten schicken können, steht in den Sternen.

Auch die Risikomanagement-Profis von Control Risks und der Result Group wagen keine Voraussage. "Das gesamte Land ist destabilisiert und ähnliche Probleme gibt es in vielen arabischen Ländern", sagt Control Risks-Experte Stephan. "Unternehmen, die Standorte in den Nachbarländern haben, schauen sich jetzt sehr genau an, wie sich die Lage dort entwickelt."

Die Notfallpläne für die nächsten Krisenländer liegen schon in den Schubladen der Krisenmanager, und die sollen eigentlich verhindern, dass lebensgefährliche und selbstlose Rettungsversuche nötig werden, wie der des Siag-Angestellten Ali. "Ich habe Adel Abu Ali als Vorgesetzter offiziell davon abgeraten, die Ausgangssperre zu brechen. Ich habe aber gleichzeitig gesagt, dass ich es in der gleichen Situation auch versuchen würde", sagt Uwe Raue, der in der Siag-Unternehmenszentrale für die deutsch-ägyptische Niederlassung zuständig ist.

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