Sonntag, 22. Juli 2018

US-Einzelhändler legen sich mit Waffenindustrie an US-Konzernchef begehrt auf - "Waffengewalt ist eine Epidemie"

Edward W. Stack: Der Chef der milliardenschweren US-Sportladenkette nimmt Waffen aus seinem Sortiment und fordert die Politik zu schärferen Waffengesetzen auf

Verändert sich doch etwas nach dem jüngsten Amoklauf? US-Einzelhändler wie Walmart und Dick's Sporting Goods jedenfalls werden den Waffenverkauf in ihren Märkten erheblich einschränken. In einem aufsehenerregenden Brief und TV-Interview erklärt Dick's-Konzernchef Ed Stack sein Vorgehen und fordert Donald Trump zu schärferen Waffengesetzen auf.

Der Kauf und Verkauf von Schusswaffen in den Vereinigten Staaten ist im Vergleich zu anderen westlichen Ländern sehr viel schwächer reglementiert. Supermärkte und Sportartikelhändler etwa bieten neben Milch und Sportschuhen wie selbstverständlich Gewehre oder halbautomatische Waffen an - und 18-Jährige greifen zu. Die laxen Waffengesetze gelten Kritikern schon lange als Ursache dafür, dass es in den USA immer wieder zu schweren Zwischenfällen mit Waffen und vielen Toten kommt.

Zwar kündigte US-Präsident Donald Trump jetzt an, das Waffenrecht nach dem Massaker an einer Schule in Florida mit 17 Toten verschärfen zu wollen. Sein Vorschlag, Lehrer an den US-Schulen zu bewaffnen oder das Alter zum Waffenkauf für bestimmte Schnellfeuergewehre heraufzusetzen, lassen jedoch an der Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit dieser Ankündigung zweifeln.

Die Diskussion und öffentlichkeitswirksamen Proteste von Schülern zeigen aber erste Wirkung - zunächst bei Supermärkten. Der Einzelhandelsriese Walmart und ebenso die US-Sportladenkette Dick's Sporting Goods verkaufen künftig keine Schusswaffen mehr an Menschen unter 21 Jahren.

Dick-Chef Edward W. Stack erläuterte die Ankündigung in einem von ABC veröffentlichten Brief und gleichzeitigem Interview des TV-Senders. "Wir wollen nicht mehr länger Teil dieser Geschichte sein", sagte der Manager und kündigte an, Sturmgewehre und große Magazine aus dem Sortiment zu nehmen. Mit Waffen dieser Art wurden in der Vergangenheit immer wieder Massaker in den USA verübt.

"Was passiert ist, hat uns unvorstellbar bewegt." Das Leid der Eltern und Kinder des Attentats von Parkland habe ihm klar gemacht: "Wir müssen etwas tun", so Ed Stack in der Sendung "Good Morning America".

Ausschlaggebend für den Vorstoß dürfte auch gewesen sein, dass der 19-jährige Amokschütze im November letzten Jahres eine seiner Waffen in einem Laden der Kette gekauft hat - auch wenn sie nicht die Tatwaffe gewesen sein soll. Beim Massaker von Parkland soll der Täter ein AR-15-Gewehr benutzt haben. Walmart hatte den Verkauf von AR-15-Gewehren und anderen halbautomatischen Waffen bereits 2015 eingestellt. Branchenanalytiker vermuten, dass andere Einzelhändler in den USA, die ebenfalls Schusswaffen verkaufen, diesem Beispiel folgen dürften.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH