Sonntag, 24. März 2019

Individuelle Fahrräder Fahrrad nach Maß - von der Messmaschine aufs Tandem

Lebens-Gefährte: Unikate von Velotraum
Volker Schrank

Beim Hersteller Velotraum gleicht kein Rad dem anderen - erst recht nicht die Tandems.

"Tandemfahren ist Beziehungsarbeit", sagt Stefan Stiener, 57. "Man muss den Partner wahrnehmen und ihm vertrauen." Der Chef des schwäbischen Fahrradherstellers Velotraum weiß, wovon er spricht. Mit seiner Frau, Patricia Rose, 56, hat er schon so manche Tour auf dem Doppelrad zurückgelegt - und ab und zu, erzählt er lachend, gab es dabei auch mal Knatsch.

Gefunden in
Splendid
Oktober 2018

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Am Tandem aus eigener Herstellung selbst dürfte es kaum gelegen haben. Jedes Exemplar, das die Manufaktur in Weil der Stadt bei Stuttgart verlässt, ist aus hochwertigen Komponenten zusammengestellt und individuell auf seine Besitzer abgestimmt - auch die Tandems. Dass zwei gleiche Fahrräder aus der Werkstatt rollten, ist seit der Firmengründung vor 25 Jahren noch nicht vorgekommen.

Wer bei Velotraum bestellt, sollte ein wenig Zeit mitbringen: Hat sich der Kunde für einen von vier Rahmentypen entschieden, muss er in der Firmenzentrale oder bei einem der rund 30 Händler auf die "Messmaschine", ein vielfach verstellbares Gerät mit Sattel, Lenker und Pedalen. Die Prozedur erinnert ein bisschen an den Brillenkauf beim Optiker: Nach und nach werden Abstände verändert, Sättel getauscht, Lenker justiert. Dann geht es an die technische Ausstattung: Naben- oder Kettenschaltung? Felgen- oder Scheibenbremse? Reifenbreite? Felgengröße? Bis alles passt, vergeht gut und gerne eine Stunde, bei einer Tandembesatzung dauert es noch länger. Für das Doppelrad gibt es zwar nur einen Grundrahmen, dafür muss das Gesamtkonzept für zwei Personen passen. "Die Käufer wollen schließlich ein Gefährt haben, mit dem beide gut zurechtkommen", sagt Stiener.

Der Aufwand lohnt sich. Für Velotraum-Kunden sei das Fahrrad "ein Lebensmittel", sagt Patricia Rose. Und zwar eins aus der Feinkostabteilung: Die Preise gehen bei 2000 Euro für ein Basis-Tourenrad los und enden bei 7000 Euro für ein Pedelec mit allen Extras. Die Tandems liegen zwischen 4000 und 5000 Euro. "Für günstigere Preise müssten wir Kompromisse eingehen", erklärt Rose: "Alurahmen könnten wir auch preiswert in Europa einkaufen. Wir beziehen sie aber aus Taiwan, dort sitzen die besten Hersteller der Welt." Viele Komponenten lässt Velotraum extra herstellen, die Steuerrohrverlängerung, Felgen, Gepäckträger oder Schutzbleche.

Das achtköpfige Team fertigt pro Jahr bloß 500 Räder, darunter maximal zehn Tandems. Jedes Rad wird aus mehr als 300 Einzelteilen in Handarbeit montiert. Ein Mechaniker baut ein Rad von Anfang bis Ende. So etwas gibt's sonst nur bei Firmen wie Rolls-Royce oder Aston Martin. Auch die Farbauswahl ähnelt der einer Luxusautoschmiede: Aus mehr als 200 RAL-Tönen (glänzend oder matt) und 40 Dekorfarben gilt es die passende Kombination zu wählen. "Farbe macht schließlich glücklich", sagt Rose, die wie ihr Mann Architektur studiert hat und eher zufällig im Radgeschäft gelandet ist. Und wenn sich ein Paar erst mal auf eine gemeinsame Farbe geeinigt hat, wird es am koordinierten Fahren auch nicht mehr scheitern.

Wer bei Velotraum bestellt, sollte ein wenig Zeit mitbringen: Hat sich der Kunde für einen von vier Rahmentypen entschieden, muss er in der Firmenzentrale oder bei einem der rund 30 Händler auf die "Messmaschine", ein vielfach verstellbares Gerät mit Sattel, Lenker und Pedalen. Die Prozedur erinnert ein bisschen an den Brillenkauf beim Optiker: Nach und nach werden Abstände verändert, Sättel getauscht, Lenker justiert. Dann geht es an die technische Ausstattung: Naben- oder Kettenschaltung? Felgen- oder Scheibenbremse? Reifenbreite? Felgengröße? Bis alles passt, vergeht gut und gerne eine Stunde, bei einer Tandembesatzung dauert es noch länger. Für das Doppelrad gibt es zwar nur einen Grundrahmen, dafür muss das Gesamtkonzept für zwei Personen passen. "Die Käufer wollen schließlich ein Gefährt haben, mit dem beide gut zurechtkommen", sagt Stiener.

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