Mittwoch, 24. Januar 2018

Unibail-Rodamco kauft Westfield Darum gibt Europas Immobilien-Primus Milliarden für Shoppingcenter aus

Shoppingcenter in Hamburg: Auch die Vermieter von Einzelhandelsimmobilien geraten zunehmend durch den Onlinehandel unter Druck.

Mega-Deal am Immobilienmarkt: Der auf Einkaufszentren spezialisierte französische Konzern Unibail-Rodamco, Europas größtes Gewerbeimmobilien-Unternehmen, will für 15,8 Milliarden Dollar den australischen Shoppingcenter-Konkurrenten Westfield Corporation übernehmen. Wie Unibail mitteilte, bieten die Franzosen für jede Westfield-Aktie 7,55 US-Dollar, also etwa 6,40 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von etwa 18 Prozent auf den Schlusskurs von Montag und führt rein rechnerisch zu einem Unternehmenswert für Westfield von 24,7 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen gemeinsam kämen bei diesen Zahlen nach der Übernahme auf einen Marktwert von 72,2 Milliarden Dollar (61,6 Milliarden Euro).

Damit spielt die geplante Transaktion, die auch vom Westfield-Management unterstützt wird, in der Topliga des weltweiten M&A-Geschäfts. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen wäre es die größte Übernahme eines australischen Unternehmens, die bisher stattgefunden hat. Die Finanzplattform Bloomberg spricht zudem vom größten Immobiliendeal weltweit seit 2013.

Zum Vergleich: Größter Deal mit Einzelhandelsimmobilien hierzulande war im laufenden Jahr der Verkauf von 90 Objekten durch die Investmentgesellschaft Corestate Capital an die Bayerische Versorgungskammer (BVK). Die Transaktion hatte ein Volumen von knapp 700 Millionen Euro.

Auch Unibail-Rodamco verortet das Vorhaben in großzügigen Dimensionen: Es entstehe ein globaler Marktführer im Immobiliengeschäft, vertreten in 27 Ländern mit einigen der weltweit attraktivsten Einzelhandelsstandorte, schreibt das Unternehmen in seiner Mitteilung. Die gesamte Plattform verfüge über derzeit 104 Liegenschaften, die jährlich von 1,2 Milliarden Menschen besucht würden.

100 Millionen Euro an Synergien pro Jahr

"Der Einstieg bei Westfield ist eine natürliche Fortsetzung von Unibail-Rodamcos Strategie der Konzentration, Ausdifferenzierung und Innovation", lässt sich Firmenchef Christophe Cuvillier zitieren. "Wir glauben, dass diese Transaktion für beide Seiten überzeugende Möglichkeiten bietet, Vorteile zu erzielen, die sie alleine nicht erreichen könnten. So entsteht eine starke und attraktive Plattform für künftiges Wachstum."

Wie die "Financial Times" berichtet, rechnen beide Unternehmen mit Synergien in Höhe von 100 Millionen Euro jährlich.

Hintergrund der Milliardenübernahme ist die seit Jahren voranschreitende Entwicklung im Einzelhandel: Online-Händler wie vor allem der Weltmarktführer Amazon Börsen-Chart zeigen setzen den traditionellen Handel zunehmend unter Druck und sorgen für Einbußen, Ladenschließungen und Geschäftsaufgaben.

Einstige Branchengrößen wie Macy's oder JC Penney in den USA haben in den vergangenen Jahren bereits Pläne zur Schließung von hunderten Geschäften bekannt gegeben. Andere wie die US-Lebensmittelkette Whole Foods können dem Druck ebenfalls nicht standhalten und werden von Amazon übernommen.

Die Entwicklung spiegelt sich auch in den Vermietungszahlen von Einzelhandelsflächen hierzulande wider: Wurden 2014 in den Top-Lagen der neun größten Städte in Deutschland noch beinahe 600.000 Quadratmeter an Ladenflächen neu vermietet, so werden es Zahlen des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle (JLL) zufolge in diesem Jahr nur noch 400.000 bis 500.000 Quadratmeter sein. Gleichzeitig ist der Leerstand dieser Flächen in den Top-9-Standorten auf 9 Prozent gestiegen, so JLL in einer aktuellen Präsentation. Das Online-Shopping ist nach Einschätzung der Immobilienexperten die größte Gefahr für Shoppingcenter.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Folge: Auch bei den Betreibern von Shoppingcentern, den Vermietern der Einzelhandelsimmobilien also, hat weltweit bereits eine Konsolidierungs- und Übernahmewelle eingesetzt. Die "Financial Times" nennt als weitere aktuelle Beispiele für Deals in der Branche das britische Unternehmen Hammerson, das 3,2 Milliarden Pfund für den kleineren Rivalen Intu bietet. Zudem versuche Brookfield den Wettbewerber GGP, die Nummer zwei unter den börsennotierten Immobiliengesellschaften mit Einzelhandelsfokus, für 15 Milliarden Pfund zu übernehmen.

Der Erwerb von Westfield durch Unibail-Rodamco ist ein weiterer Schritt in dieser Branchenkonsolidierung - und es wird vermutlich nicht der letzte bleiben.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

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