Montag, 17. Dezember 2018

Mike Jeffries Umstrittener CEO verlässt Abercrombie & Fitch - und die Börse jubelt

Mike Jeffries verlässt Abercrombie & Fitch

Er gilt als Kontrollfreak und wollte nur gutaussehende Kunden: Nun tritt Mike Jeffries bei Abercrombie & Fitch zurück. Das Unternehmen hatte zuletzt mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen.

Hamburg - Mike Jeffries ist nicht länger Chef des Modelabels Abercrombie & Fitch. "Mit sofortiger Wirkung" lege der Amerikaner seine verbleibenden Ämter nieder, teilte das US-Unternehmen am Dienstag mit. Jeffries war zuvor CEO sowie Mitglied von Abercrombies Board of Directors gewesen. Bereits Ende Januar hatte er den Vorsitz dieses Gremiums abgeben müssen.

Ein konkreter Nachfolger steht noch nicht bereit. Vorübergehend übernehme Arthur Martinez die Aufgaben. Weshalb genau Jeffries das Unternehmen nun verlässt, teilte Abercrombie nicht mit. Er stand seit 1992 an der Spitze des Modeherstellers. Während dieser Zeit hatte er die Marke weg vom einstigen Outdoor-Fokus und hin zu einer jüngeren Käuferschaft geführt, aber auch für verschiedene Skandale gesorgt - etwa mit der Aussage, er wünsche sich nur gutaussehende Kunden.

"Es ist unmöglich, Mike Jeffries außerordentliche Leistungen für Abercrombie zu überschätzen", sagte Martinez laut Mitteilung. Die Marke verdanke allein ihm ihren "ikonischen Status". Zuletzt hatte das Unternehmen allerdings genau wie andere US-Teenie-Modehersteller mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. "Ich glaube, dass nun der richtige Zeitpunkt ist, die Führung des Unternehmens abzugeben", sagte Jeffries selbst.

Große Logos sind nicht mehr cool

Abercrombies Geschäft steht doppelt unter Druck: Zum einen schätze die junge Kundschaft die großen Logos und den inhärenten Elitismus der Marke nicht mehr, bekunden Experten; zum anderen seien Ketten wie H&M, Zara oder Forever 21 einfach billiger. Teenager gäben heute lieber Geld für Kopfhörer, Smartphones oder Videospiele aus als für Kleidung, sagten Analysten zuletzt etwa der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zur Malaise von Abercrombie und der etwas günstigeren Schwestermarke Hollister.

Die Folge: Im am 1. November abgelaufenen Quartal musste Abercrombie einen Umsatzrückgang um 12 Prozent auf 911 Millionen Dollar verkünden, der Überschuss ging um etwa ein Viertel auf gut 30 Millionen Dollar zurück. Schon zuvor hatten sinkende Absätze die Geschäftszahlen - und damit auch die Aktien des Unternehmens - massiv belastet.

Die Börsianer scheinen die schlechte Performance auch mit Mike Jeffries zu verbinden: An der Wall Street wurde die Nachricht von seinem Abschied euphorisch aufgenommen: Abercrombies Aktien starteten mit einem Plus von etwa sechs Prozent in den Handel.

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