Sonntag, 16. Dezember 2018

Stephan Fanderl Von der Edeka-Kasse an die Karstadt-Spitze

Warenhaus in der Krise: Die Akteure des Karstadt-Dramas
DPA

Als Handelsexperte ist Stephan Fanderl einst in den Karstadt-Aufsichtsrat eingezogen - nun wechselt er ins operative Geschäft. Wer ist der Mann, der die wahrscheinlich schwerste Aufgabe der deutschen Wirtschaft übernimmt?

Hamburg - Stephan Fanderl hat sich lange bitten lassen: Schon zweimal soll ihm der Karstadt-Chefposten angedient worden sein. Beim ersten Mal, 2010, hatte er dem damaligen Eigner Nicolas Berggruen eine Absage erteilt. Beim zweiten Mal, 2013, ließ er sich zumindest breitschlagen, die Geschicke des Krisenkonzerns als Aufsichtsratsvorsitzender mitzubestimmen. Nun übernimmt Fanderl schließlich doch das operative Geschäft - und damit einen der schwierigsten Posten der deutschen Wirtschaft.

Der 51-Jährige bringt schon von Haus aus geballte Handelserfahrung mit: Bereits Fanderls Ururgroßeltern führten einen Krämerladen in seiner Heimat Ingolstadt, wie der "Donaukurier" in einem Portrait betont. Auch die nachfolgenden Generationen blieben dem Handel treu, Fanderls Vater Reiner führt heute gemeinsam mit Fanderls Schwester Sabine fünf Edeka-Geschäfte in der Region.

Dort absolvierte der neue Karstadt-Chef auch eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. "Er hat das mit der Muttermilch aufgesogen", sagte sein Vater dem "Donaukurier". Dass sein Sohn nicht in Ingolstadt bleiben, sondern in die Welt ziehen würde, sei schon früh klar gewesen.

Steile Karriere im Einzelhandel

Nach einem Betriebswirtschaftsstudium in Regensburg und Köln arbeitete Stephan Fanderl für viele große Namen der Einzel- und Großhandelsbranche. Beim Handelskonzern Metro Börsen-Chart zeigen verantwortete er unter anderem die Expansion von Real und Cash&Carry, im Rewe-Vorstand stellte er ab 2006 das Deutschlandgeschäft neu auf.

Ein Jahr später verließ Fanderl den Konzern allerdings schon wieder - "im gegenseitigen Einvernehmen". Insidern zufolge hätte Fanderl, der als umgänglich, aber auch ehrgeizig gilt, nicht alle seine Ziele in Köln erreichen können.

Anschließend sollte Fanderl für Wal-Mart Börsen-Chart zeigen, den größten Einzelhandelskonzern der Welt, zwischen 2008 und 2010 dessen Expansion in Russland vorantreiben. Aufgrund fehlenden Erfolgs trat er hier jedoch ebenfalls zurück.

Gute Beziehungen zu Benkos Freundeskreis

Dass Fanderl seit Oktober 2013 dem Karstadt-Aufsichtsrat vorsteht, verdankt er seinen guten Beziehungen zum Umfeld des Immobilieninvestors und heutigen Karstadt-Eigners René Benko: Als Nicolas Berggruen jenem den Einzug Fanderls in den Aufsichtsrat vorgeschlagen habe, habe dieser zuerst seinen Vertrauten Ernst Dieter Berninghaus, Manager beim Schweizer Handelsunternehmen Migros, um eine Einschätzung des Kandidaten gebeten.

Berninghaus kannte Fanderl aus gemeinsamen Rewe- und Metrozeiten und riet Benko zum Ingolstädter. Seitdem gilt Fanderl als Benko-Vertrauter - und wurde schon seit längerem als potenzieller Karstadt-Chef gehandelt.

Steht vor einer schweren Aufgabe: Stephan Fanderl soll Karstadt wieder fit machen (Archivaufnahme von 2006)

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