Mittwoch, 19. Dezember 2018

SinnLeffers und Co. - das langsame Sterben Warum ein deutscher Modehändler nach dem anderen einknickt

Strenesse, Esprit und sogar Hugo Boss: Die Probleme der deutschen Mode-Hersteller
DPA

Es ist ein Massensiechtum, das aktuell auf deutschen Einkaufsstraßen grassiert. Letztes Opfer: die Modekette SinnLeffers. Der einst zu Karstadt-Quelle gehörende Modehändler hat am Montag Insolvenz beantragt, wenige Tage nach einem ähnlichen Schritt der Nürnberger Modekette Wöhrl, zu der SinnLeffers seit 2013 gehört. Die Nürnberger, die sich in eine Vorstufe der Insolvenz flüchteten, wollen voraussichtlich zehn ihrer 34 Modehäuser schließen.

Es sind graue Zeiten für Deutschlands Modewelt. Reihenweise sind in den vergangenen Jahren Modehersteller und Einzelhändler in die Knie gegangen oder zumindest in finanzielle Schieflage geraten. Die Liste des Leidens reicht von Gerry Weber über Steilmann bis hin zu Strenesse und Wolford. Allein in den Jahren von 2010 bis 2014 hat die Zahl der Modehändler laut aktuellen Zahlen des Handelsverbandes Textil (BTE) um mehr als 3500 abgenommen.

Betroffen waren vor allem kleinere Unternehmen - während einige neue mittelgroße und Groß-Betriebe entstanden. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl nach Schätzungen des BTE sogar nahezu halbiert. Und das, obwohl jede deutsche Frau nach Branchenberechnungen im Durchschnitt 30 Kilogramm Kleidung pro Jahr kauft.

Doch davon kriegen viele Händler auf den deutschen Einkaufsstraßen nicht mehr viel mit. Sie führen einen Kampf gegen gleich mehrere Gegner, den viele von ihnen auf Dauer wohl nicht überleben werden.

Kreditversicherer rechnet mit weiteren Pleiten - Bonität nimmt ab

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet jedenfalls noch mit einer ganzen Reihe von Pleiten. Die Bonität der Branche habe im Durchschnitt spürbar abgenommen, erklärt Euler Hermes CEO Ron van het Hof in einer manager magazin vorliegenden aktuellen Marktanalyse. "Es wird nach unserer Einschätzung auch in der Zukunft das ein oder andere Textilunternehmen geben, das in Schieflage gerät."

Die Gründe für die angespannte Lage sind vielfältig. Und auch wenn jedes Unternehmen es mit jeweils spezifischen, mitunter auch selbst verschuldeten Problemen zu tun hat, gibt es Umstände, die gleich einer ganzen Reihe von Playern in der Modebranche derzeit schwer zusetzen.

Eines davon ist das zunehmende Onlinegeschäft, das im abgelaufenen Jahr laut Euler Hermes bereits 40 Prozent des Gesamtgeschäftes ausmachte. Eine Entwicklung, der manche Händler nur wenig entgegen zu setzen haben. Zum einen, weil viele - wie beispielsweise SinnLeffers - Marken im Portfolio haben, die Kunden auch über Online-Kanäle meist günstiger bekommen könnten.

Zum anderen leiden die Unternehmen, weil der Aufbau eines professionellen Onlineangebotes viel Geld kostet - und selbst viele deutsche und internationale Ketten am Aufbau eines professionellen Onlinegeschäftes bislang gescheitert sind.

Und auch an der Beratungskompetenz - mit der die stationären Händler eigentlich gegen die Onlinekonkurrenz punkten könnten - wird wegen der hohen Lohnkosten gerade bei den angeschlagenen Händlern häufig gespart.

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