Sonntag, 23. September 2018

Billigmarke verpflichtet Roger Federer 300 Millionen Gründe, sich von Nike zu trennen

Roger Federer: Die Discount-Marke Uniqlo aus Japan hat Nike verdrängt - und Federer mit einem sagenhaften Zehnjahresvertrag ausgestattet
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Roger Federer: Die Discount-Marke Uniqlo aus Japan hat Nike verdrängt - und Federer mit einem sagenhaften Zehnjahresvertrag ausgestattet

Roger Federer hat mit einem lockeren Erstrundenerfolg Anlauf für seinen neunten Wimbledon-Titel genommen. Für Aufsehen sorgte allerdings vor allem sein Outfit - und ein Mega-Deal mit seinem neuen Ausrüster Uniqlo aus Japan.

Roger Federer betrat im weißen Polohemd und mit weißem Stirnband sein Wohnzimmer auf dem Center Court von Wimbledon und machte dort kurzen Prozess mit seinem Gegner. Bei genauerem Hinsehen bot sich beim Erstrundensieg des Titelverteidigers gegen Dusan Lajovic dann aber doch ein neues Bild. Es war nämlich Federers erster Auftritt im Outfit seines neuen Sponsors. Ein Deal, mit dem der Schweizer die Weichen für die Zukunft stellt.

Dem "Maestro" des Tennissports gelang damit ein echter PR-Coup. Monatelang war zuletzt darüber spekuliert worden, ob der Superstar nach fast 20 Jahren der Kooperation mit dem US-Sportartikelriesen Nike Börsen-Chart zeigen tatsächlich einen neuen Ausrüster erhalte.

Erst sein Auftritt beim mühelosen 6:1, 6:3, 6:4 gegen den hoffnungslos unterlegenen Serben Lajovic sorgte für Gewissheit. Federer wirbt künftig für den japanischen Hersteller Uniqlo - und das bis weit über sein Karriereende hinaus.

Nach Informationen aus Branchenkreisen unterschrieb der 36-Jährige Federer einen Vertrag über zehn Jahre, wird somit auch lange nach seinem Karriereende als Botschafter für die Marke Uniqlo fungieren. Erhalten soll er dafür unglaubliche 300 Millionen Dollar, fast dreimal so viel wie zuvor bei Nike. Offiziell bestätigt wurde das Volumen des Werbedeals allerdings nicht.

Fest steht jedoch: Uniqlo wird versuchen, mit dem Deal weit über den Tennisplatz hinaus zu punkten. Tadashi Yanai, Präsident von Uniqlos Muttergesellschaft Fast Retailing, betonte bei der Verkündung des Deals denn auch: "Roger Federer ist einer der größten Champions der Geschichte, ich bewundere ihn nicht nur wegen seiner sportlichen Erfolge. Unsere Partnerschaft wird Innovation zum Inhalt haben - auf dem Platz und außerhalb des Platzes."

Als er mit diesen gewaltigen Zahlen am Montag konfrontiert wurde, flüchtete sich Federer in Ironie. "Es ist interessant, dass Sie meinen Vertrag kennen. Oder erzählen Sie einfach irgendetwas?", meinte er augenzwinkernd.

Marke Federer weltweit etablieren

Fraglos ist der Deal jedoch zumindest ein weiterer Mosaikstein in Federers schleichender Entwicklung vom Sportler zum Kopf eines globalen Wirtschaftsunternehmens. Schon seit Jahren bastelt der 20-malige Grand-Slam-Gewinner intensiv an seiner Zukunft. Er ist Vorstand oder Teilhaber gleich mehrerer Firmen, tritt als Turnierveranstalter etwa beim von seiner Eventagentur Team8 ausgerichteten "Laver-Cup" auf und investiert zudem viel Zeit in seine Stiftung, die Kindern in Afrika den Zugang zu Bildung ermöglicht.

Die ausgiebigen Pausen, die sich Federer in seinem Tennis-Jahr inzwischen nimmt, dienen dementsprechend wohl nicht ausschließlich der Dosierung der Kräfte. Vielmehr passen sie auch zur Strategie, die Marke Federer weiter vom Erfolg des Sportlers zu entkoppeln.

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Überließ er die unternehmerischen Verpflichtungen früher noch hauptsächlich seinem Management, ist Federer zudem heute immer häufiger direkt involviert. Auch dies kann als Maßnahme für das Leben nach der Tennis-Karriere verstanden werden.

Bevor es so weit ist, hat Federer allerdings auch sportlich noch große Ziele. Ein weiterer Sieg in Wimbledon ist fest eingeplant.

la/dpa/sid

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