Samstag, 16. Dezember 2017

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Handelsriese reagiert auf Konkurrenz Rewe will 2018 mehr als 2 Milliarden Euro investieren

Der Rewe-Lieferservice wird auch in den nächsten Jahren keine Gewinne abwerfen, sagt Vorstandschef Lionel Souque

Rewe will 2018 mehr als zwei Milliarden Euro investieren, kündigt Konzernchef Lionel Souque an. Dies werde das Ergebnis des Handelsriesen belasten. Derweil greift Wettbewerber Real mit einen eigenen Lieferdienst in zehn deutschen Städten an - ein Geschäft, mit dem Rewe noch kein Geld verdient, wie der Vorstand einräumt.

Die Handelsgruppe Rewe will im kommenden Jahr mehr als zwei Milliarden Euro in die Modernisierung ihres Angebots und die Qualifikation der Mitarbeiter investieren. Der Handelsriese reagiere damit auf die großen Herausforderungen in der Branche, sagte der neue Rewe-Chef Lionel Souque dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Dazu gehörten nicht nur der Verdrängungswettbewerb durch Aldi und Lidl, sondern auch der demografische Wandel und die wachsende Konkurrenz aus dem Internet.

Rewe-Chef Lionel Souque

Im Online-Handel sieht Souque nicht nur Amazon als Konkurrenten für Rewe, sondern auch die Lebensmittel-Lieferdienste wie Foodora und Lieferando. "Wenn jemand dort eine Pizza bestellt, kauft er sie nicht mehr bei Rewe ein."

Durch die Investitionsoffensive will Souque den Kunden mehr frische Produkte, mehr Beratung und mehr regionale Produkte anbieten. Auch Gastronomie-Angebote wie Sushi sollen eine größere Rolle spielen.

Investitionen werden Gewinn belasten

Das hat allerdings seinen Preis. Die hohen Investitionen dürften das Ergebnis belasten. "Unser Gewinn war in den vergangenen Jahren mit etwa 500 Millionen Euro immer relativ stabil. Dieses Jahr wird es etwas schlechter sein und nächstes Jahr wird auch nicht viel besser", sagte Souque. Dabei laufen die Geschäfte eigentlich gut. "In den Supermärkten liegen wir 5 Prozent über dem Vorjahr, bei Penny 3 Prozent. Das ist besser als bei den meisten Konkurrenten", sagte der 46-Jährige.

Sehr ernst nimmt Souque, der seit etwas mehr als 100 Tagen Vorstandsvorsitzender des Kölner Handelskonzerns ist, die Herausforderung durch den Internetgiganten Amazon. Doch habe Rewe durchaus Chancen sich gegen den US-Konzern zu behaupten. "Technologisch werden wir nie besser sein als Amazon, aber bei frischen Lebensmitteln haben wir deutlich mehr Erfahrung und Kompetenz."

Real greift in 10 Städten mit einem eigenen Lieferdienst an

Auch Amazon habe inzwischen gemerkt, dass die Lebensmittellieferung nicht so einfach sei, meinte der Rewe-Chef. Selbst in den USA und in Großbritannien halte sich Amazons Erfolg in diesem Bereich bislang in Grenzen. Der Rewe-Chef räumte gleichzeitig ein: "Auch wir machen keinen Gewinn mit unserem Lieferservice und werden das über Jahre nicht tun." Doch seien solche Online-Angebote inzwischen ein wichtiger Service, den die Kunden erwarteten.

Das sieht offenbar auch der Wettbewerber Real so - die Supermarktkette will mit einem eigenen Lieferdienst für frische Lebensmittel Konkurrenten wie Amazon oder Rewe angreifen. Nach einem Modellversuch in Düsseldorf weite Real seinen Lieferdienst auf zehn deutsche Großstädte aus, sagte Real-Manager Henning Gieseke dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Im kommenden Jahr sollten dann "bundesweit mehrere Millionen Haushalte" erreicht werden. Das Liefergebiet solle sich von Hamburg über Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bis München erstrecken. Auch Berlin solle es umfassen. Dort ist bereits Amazon aktiv. Die Auslieferung der Bestellungen solle wie auch bei Amazon die Deutsche Post übernehmen.

rei/dpa-afx/Reuters

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