Freitag, 18. Januar 2019

Verlierer im Kaufhof-Poker  Der Traum ist aus

Enttäuscht über die Niederlage im Bieterwettbewerb um Kaufhof: Karstadt-Eigner und Immobilien-Unternehmer René Benko

Auf eine Antwort verzichtete der neue Kaufhof-Eigner wohlwissentlich. Doch der Blick von Hudson's-Bay-Chef Richard Baker sprach Bände. Auf die Frage, ob Karstadt durch die Übernahme von Kaufhof leiden würde, breitete sich ein siegessicheres Grinsen auf dem Gesicht des 49-Jährigen aus. "Wir sind sehr konkurrenzbetont", betonte der neue Kaufhof-Eigner mit Blick auf den angeschlagenen Konkurrenten. "Wir sind es gewohnt, unsere Kräfte zu messen. Und wir freuen uns darauf." Ach ja, außerdem sei er "bullish", dass Kaufhof der Konkurrenz weitere Marktanteile abjagen könne.

Worte, die Karstadt-Eigner René Benko wohl vernommen haben dürfte. Davon, dass er sich Illusionen macht, was ihm mit dem Erscheinen eines finanzstarken Wettbewerbers auf dem deutschen Markt droht, ist nicht auszugehen.

Benko hat gekämpft bis aufs Letzte. Hatte die Mehrheit am operativen Geschäft der Luxushäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger abgegeben, um im Bietergefecht um Kaufhof mit einem erfahrenen Handelspartner an seiner Seite punkten zu können.

Sogar zu einer Job- und Standortgarantie für Kaufhof und Karstadt hatte sich der Österreicher durchringen können - sofern der Deal über die Bühne gegangen wäre. Und auch noch dazu, dass Karstadt künftig als Tochter vom Kaufhof firmiert hätte.

Genützt hat es nichts.

Der einst wie aus dem Nichts aufgetauchte Tiroler, der mit kreativen Deals und Chuzpe Karstadt schließlich komplett vom damaligen Investor Nicolas Berggruen erwarb, ist im Poker um die Metro-Tochter Kaufhof leer ausgegangen. Der Traum von einer deutschen Warenhaus AG aus den beiden Ketten ist geplatzt.

Signa sieht "historische Chance" vertan

Man bedauere die Entscheidung sehr, hieß es denn auch bei Signa. Die "historische Chance" eines Zusammengehens von Kaufhof und Karstadt - vergeben.

Nun steht Karstadt alleine da - gegen einen Gegner, der ihn an Größe und Know-How deutlich überragt. Und alleine, darüber sind sich viele Handelsexperten einig, wird es extrem schwierig für Karstadt.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung