Mittwoch, 19. September 2018

Konzernchef Koch sucht Käufer Metro will Supermarkt-Sorgenkind Real abstoßen

Einkaufswagen einer real-Filiale im nordrhein-westfälischen Moers

Der Handelsriese Metro Börsen-Chart zeigen will seine Supermarkt-Tochter Real möglichst im Gesamtpaket verkaufen. Ziel bei der Trennung sei es, dass die Kette ihren begonnenen Weg in die Zukunft fortsetzen solle, sagte Metro-Chef Olaf Koch am Freitag in einer Telefonkonferenz. Metro hatte am Donnerstag nach Handelsschluss den Abschied von Real angekündigt - man wolle sich künftig auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren.

Real verfüge in Deutschland über ein Netz aus 282 Märkten, ein rasch wachsendes Online-Geschäft und ein attraktives Immobilienportfolio von 65 Standorten, sagte Konzernchef Koch am Freitag. Zu dessen Bewertung wollte sich Koch nicht äußern. "Wir wissen, dass es Interesse für Real gibt." Metro sei bereits in der Vergangenheit von Interessenten für die Kette kontaktiert worden. Damals sei der Konzern aber noch nicht bereit für einen Verkauf gewesen.

Die Zukunft der Supermarkt-Tochter ist seit Jahren ein Konfliktherd zwischen Vorstandschef Olaf Koch und seinen Großaktionären. Die Kette setzte zuletzt mit 34.000 Beschäftigten rund 7,2 Milliarden Euro um, macht aber nur dünnste Gewinne. Über einen möglichen Verkauf hatte Koch nach Informationen von manager-magazin.de unter anderem mit dem Finanzinvestor Apollo und dem Konkurrenten Edeka gesprochen. Letztlich scheiterte der Deal aber an den Details - etwa die Frage, wie hart der Sanierungskurs nach einer Trennung ausfallen würde. Vor allem Metros langjähriger Großaktionär Haniel hatte von Koch eine gesichtswahrende Lösung gefordert. Dieser Faktor fällt nun allerdings weg, nachdem Haniel kürzlich seinen Abschied von der Metro beschlossen hatte.

Die Pläne für eine Trennung von Real hätten nichts mit dem Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky bei Metro zu tun, unterstrich Koch. Der Schritt sei nicht mit Kretinsky erörtert worden. Er habe ihn aber getroffen und er sei Metro als neuer Investor willkommen.

Kretinsky kontrolliert die Mehrheit an der Gesellschaft EP Global Commerce (EPGC), die in einem ersten Schritt einen vom bisherigen Metro-Großaktionär Haniel gehaltenen Anteil von 7,3 Prozent an der Metro gekauft hat. Kretinsky und ein Partner haben sich zudem den Zugriff auf weitere 15,2 Prozent an Metro aus dem Haniel-Besitz gesichert. EPGC käme damit insgesamt auf 22,50 Prozent der Metro-Anteile und wäre mit Abstand größter Einzelaktionär. Doch Kretinsky geht noch einen Schritt weiter. Denn er hat ein zweites großes Metro-Paket ins Visier genommen, die 9,99 Prozent im Besitz von Ceconomy. Die Elektronikhandelsholding hatte Gespräche mit Kretinskys Gesellschaft EP Investment über einen Verkauf von knapp neun Prozent bestätigt.

An der Börse kam die Aussicht auf einen Verkauf von Real gut an: Die Metro-Aktien stiegen am Freitag auf Tradegate um gut 3 Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss des Vortages. Sie kletterten im Hoch von 14,17 Euro damit auf den höchsten Stand seit April, als eine gesenkte Gewinnprognose den Kurs hatte abstürzen lassen.

"Das ist die richtige strategische Entscheidung", sagte ein Händler zu dem Verkauf. Ein anderer Händler verwies darauf, dass bei der Tochter Real vor allem die Kosten ein Risikofaktor seien. Aus Sicht vieler Marktakteure zähle Real nicht zum Kerngeschäft, folglich sei der Verkauf strategisch sinnvoll. Mit dem jüngsten Einstieg des Aktionärs EPGC sei ein solcher Schritt deutlich wahrscheinlicher geworden.

luk/reuters/dpa-afx/soc

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