22.10.2013

Millionen-Übernahme

Wie Douglas sich in Frankreich aufhübscht

Von

DPA

Douglas: Mit der Übernahme von 455 französischen Nocibé-Läden will Douglas seine Marktmacht in Europa stärken

Mit der Übernahme der Parfümeriekette Nocibé will der Handelskonzern Douglas in Frankreich endlich vorne mitspielen und seine Marktmacht in Europa ausbauen. Doch das einstige Beauty-Paradies ist nicht mehr das, was es einmal war.

Hamburg - Von der Pariser Douglas-Filale in der Nähe des Louvre-Museums bis zu der des Konkurrenten Sephora sind es nur etwas mehr als drei Kilometer. Und dennoch liegen Welten zwischen den beiden Läden. Während der LVMH-Konkurrent Sephora seinen Kunden auf 1300 Quadratmetern einen wahren Schönheitstempel inklusive rotem Teppich, Nagel- und Stylingbar bietet, gemahnt die Douglas-Filiale eher an eine etwas freudlose Filiale in einem Kleinstadt-Shoppingcenter.

Doch die Deutschen haben große Pläne. Aktuell mit rund 170 Filialen auf Rang vier in Frankreich wollen sie "Taktgeber im europäischen Beauty-Markt" werden, wie sie vollmundig verkünden. Bislang macht das Frankreichgeschäft weniger als 5 Prozent des Gesamtumsatzes aus - mit Läden in nicht gerade exklusiven Shoppingzentren oder angedockt an die Frankreich so beliebten Hypermärkte.

Geht der Deal mit dem Finanzinvestor Charterhaus zur Nocibé-Übernahmedurch, kommt man einen großen Schritt voran. Zusammen mit den rund 455 Läden von Nocibé würde Douglas dann mit 625 Geschäften und etwa 4000 Mitarbeitern hinter Sephora auf Platz zwei in Frankreich rangieren. Vor der aktuellen Nummer zwei Marrionaud.

Französische Frauen investieren viel Aufmerksamkeit und Geld in ihr Äußeres. Dennoch ist der Deal kein Selbstgänger: Seit Douglas vor einiger Zeit den ersten Anlauf nahm, über eine Übernahme im Nachbarland richtig Fuß zu fassen, hat sich einiges getan.

Marktführer Sephora hat Ärger mit den französischen Gewerkschaften

Die Krise in Europa hat auch im Heimatland der Kosmetik Spuren hinterlassen. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Markt für Schönheitsprodukte laut den Marktforschern der NPD-Group in der Republik um rund ein Prozent. Dass es nicht schlimmer kommt, konnten nur der Trend zu bunten Nackellacken und einige kostspielige Anti-Aging-Produkte verhindern.

Und selbst für den Marktführer Sephora lief es im Heimatland nicht wirklich rund. Die LVMH-Tochter ist in der Kritik wegen ihrer langen Ladenöffnungszeiten - und der Sonntagsöffnung einiger Filialen. Der haben die Gewerkschaften öffentlichkeitswirksam den Kampf angesagt - und nun gesiegt. Vor wenigen Tagen verbot ein Gericht Sephora unter der Androhung empfindlicher Geldstrafen, seinen Flagshipstore am Champs-Elysées länger als bis 21.00 Uhr zu öffnen.

Für die Kette eine Entscheidung mit nicht unerheblichen Konsequenzen: Nach eigenen Angaben wird rund ein Fünftel des Umsatzes in der Zeit nach 21.00 Uhr erzielt.

Für Sephora selbst spielt Frankreich allerdings längst nicht mehr die Hauptrolle. Angesichts deutlich höherer Wachstumsraten in Asien und Amerika setzt die LVMH-Tochter längst auf Expansion. Von den weltweit rund 1300 Filialen - darunter Niederlassungen in der Fifth Avenue, den Champs Elysées oder der Dubai Mall - befindet sich fast ein Viertel bereits in Nordamerika.

Und auch in China ist die Marke Sephora präsent - als willkommendes Vertriebsvehikel für die eigenen Luxus-Produkte. Vor allem in den USA und in Asien seien die Verkäufe in den Filialen "erheblich gestiegen" verkündete Konzernmutter LVMH bei der Bilanzvorlage vor einigen Tagen stolz.

Das Resultat: Sephora und Duty-Free Geschäft zusammen legten beim Umsatz in den ersten neuen Monaten des Jahres um 19 Prozent zu - mehr als alle anderen Bereiche des Luxus-Konzerns. Sephora sei eine "echte Kriegsmaschine" blianzierte d'Exane BNP Paribas-Analyst Luca Solca.

Gegen die nehmen sich die Hagener wie eine zuverlässige aber eher unspektakuläre Familienkutsche aus. Zwar legte sowohl im Ausland als auch im Inland der Umsatz zu. Zusammengenommen allerdings lediglich um 3,4 Prozent, was sich im Vergleich mit dem französischen Konkurrenten ziemlich bescheiden ausnimmt. Und auch bei der Lage der Läden in Frankreich und der Kundenstruktur sehen die Hagener nicht besonders gut aus.

Aggressives Einkaufsgebaren

Dies zu ändern - und die Marktmacht in Europa auszubauen, scheinen die Hagener nun fest entschlossen. In Polen und der Türkei, Ländern also, in denen es im Vergleich zum kriselnden Südeuropa besser läuft, sollen neue Filialen entstehen. Das Geschäft mit Eigenmarken - eines auf das die bereits von zwei Finanzinvestoren optimierte Nocime ebenfalls gesetzt hat - soll ausgebaut werden.

Ebenso das Onlinegeschäft im Ausland. Hier hat Sephora bislang nicht zuviel Terrain besetzt. Bislang ist man neben Frankreich erst in den USA und China aktiv - was für Douglas noch Terrain übrig lässt.

Viel Arbeit - für die Advent sich personell gut gerüstet hat. So sitzt von Seiten der Finanzinvestoren seit Kurzem Bernd Beetz, Ex-Chef des internationalen Parfumkonzerns Coty im Aufsichtsrat, der eine Stange eigenen Geldes in Douglas gesteckt hat und am Fortkommen des Konzerns stark interessiert ist.

Einen Vorgeschmack darauf, wie sich der neue Erfolgshunger von Douglas nach der Advent-Übernahme anfühlt, bekamen Lieferanten der Parfümkette bereits vor einigen Wochen zu spüren. Da sagte der Konzern kurzerhand die Jahresgespräche ab und kündigte an, künftig auf internationaler Ebene verhandeln zu wollen - und verlangte auch gleich noch einen Europa-Bonus.

Mit 450 französischen Nocibé-Läden mehr dürfte es für die Geschäftspartener demnächst entsprechend teurer werden.

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