Dienstag, 24. Mai 2016

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Neue Offensive Wie Amazon in die stationären Läden drängt

Amazon: Das Innovationsfeuerwerk von Jeff Bezos
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AFP

In Deutschland verfolgt die Öffentlichkeit noch gebannt die Autoren-Proteste gegen Amazon - da macht der Technikriese schon den nächsten Zug. Ziel diesmal: der stationäre Handel, den der Onlinehändler an einer Schwachstelle zu packen versucht.

Hamburg - Die Nachricht ging hierzulande fast im allgemeinen Feuerwerk von Produktneuheiten, Übernahmen und schwelenden Konflikten mit Autoren und Verlagen unter. Auch weil die Nachricht - wie bei Amazon so oft - erst einmal nur die USA betrifft.

Der Onlinehändler steigt nach Lesegeräten, Smartphones, Einkaufssticks und dem Streaming nun auch ins Geschäft mit Kartenzahlungen ein. Künftig können Händler bei ihm ein Lesegerät erstehen, mit dem sie Kartenzahlungen abwickeln können. Ergänzende Hardware zum "local register" wie Tablets oder Quittungsdrucker auch von anderen Herstellern gibt es bei Bedarf dazu.

Ein Gadget mehr aus dem Amazon-Imperium, könnte man meinen.

Eine technische Revolution ist der kleine schwarze Kasten mit dem Amazon-Schriftzug auch tatsächlich nicht. Wettbewerber wie Square, izettle oder das deutsche Startup sum up bieten bereits ähnliche Geräte und Dienstleistungen an, mit denen vor allem kleine Händler ohne riesige Investitionen Kreditkarten- oder EC-Kartenzahlungen abwickeln können.

Revolutionär allerdings ist der Preis. Das Amazon-Lesegerät selbst kostet gerade einmal 10 Dollar. Zum Vergleich: Beim Wettbewerber izettle ist es mit 79 Euro mehr als das Zehnfache.

Amazon drängt wieder mit Kampfpreisen in den Markt

Und auch die Nutzung ist für die Händler in der Regel deutlich günstiger als bei der Konkurrenz: Wer bis Ende Oktober zuschlägt, zahlt bis Ende 2015 pro Kreditkartenkauf gerade einmal 1,75 Prozent Transaktionskosten. Danach werden 2,5 Prozent fällig. Preise, die deutlich unter denen von Konkurrenten wie payleven, izettle oder sogar dem des deutschen startup Sum up liegen, von denn viele gerade erst ihre Preise gesenkt haben.

Ein Kampfpreis bei den Amazon draufzahlen dürfte, wie Analyst Colin Sebastian von Baird Equity Research überzeugt ist. "Zumindest bei der Zahlfunktion". Das sei "typisch Amazon: Sie benutzen den Preis als Motivator".

Ein Akt der Nächstenliebe für die Händler dürfte die Produktneuheit Amazons aber nicht sein, vielmehr ein Vorstoß in einen attraktiven Markt. Amazon macht zwar stationären Händlern schwer zu schaffen. Doch erwirtschaften sie mit 85 bis 90 Prozent immer noch das Gros des Umsatzes im Handel.

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