Mittwoch, 19. Dezember 2018

Bestellstopp der Händlerallianz Nestlé sucht Lösung im Boykott-Streit mit Edeka und Co

Nestlé Produkte im Regal: Edeka und die europäische Händlerallianz Agecore wollen mit ihrem Bestellstopp bessere Konditionen von Nestlé erzwingen

Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé hat sich am Mittwoch erstmals offiziell zum Bestellstopp diverser europäischer Einzelhändler für seine Produkte geäußert. Die europäische Händlerallianz Agecore will mit einem Bestellstopp für Nestlé-Produkte bessere Konditionen erzwingen, wie am vergangenen Wochenende bekannt wurde.

"Wir bedauern, dass unsere Konsumenten zur Zeit Nestlé-Produkte in gewissen Geschäften nicht erhalten können", schreibt Nestlé Börsen-Chart zeigen nun in einer kurzen Stellungnahme. Man verhandle weiter "in gutem Glauben" und hoffe, bald eine "einvernehmliche Lösung für diese äußerst bedauerliche Situation" zu finden.

Zur Händlerallianz Agecore gehören neben Coop in der Schweiz auch Edeka (D), Intermarché (F), Colruyt (B), Conad (I) und Eroski (E). Coop hat einen Bestellstopp auf über 150 Artikel veranlasst, wie ein Sprecher am Wochenende der "Handelszeitung" gesagt hatte.

Der Bestellstopp gelte etwa für alle gekühlten Thomy-Salatsaucen, Cailler Perles, Nescafé Azera und Buitoni La Fina. Coop verlange von Nestlé "faire Einkaufspreise zu partnerschaftlichen Konditionen", hieß es.

"Faire Einkaufspreise zu partnerschaftlichen Konditionen"

Angeblich mache Nestlé gut 2 Milliarden Schweizer Franken Umsatz mit dieser Allianz, was gut 2 Prozent des Konzernumsatzes bzw. rund 10 Prozent des Umsatzes in Europa entsprechen würde, schrieb die ZKB am Montag in einem Kommentar. Dass Einzelhändler Druck ausübten, sei dabei nichts neues. Dass dies aber eskaliere mit dem Rauswurf von Produkten und damit auch in die Öffentlichkeit komme, sei dagegen seltener, meinte Analyst Patrick Schwendimann.

Dass die Nahrungsmittelindustrie in der jüngeren Vergangenheit einen stärkeren Margenfokus eingenommen habe, zum Teil zu Lasten von Marketing und Innovationen, könnte sich dabei als Bumerang erweisen, glaubt er. Er geht allerdings davon aus, dass sich Nestlé mit dem Einkaufsbündnis auf für beide Seiten akzeptable Konditionen einigen kann. Trotzdem sei die Eskalation negativ zu werten.

Die Nestlé-Aktie schloss am Mittwoch mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 75,04 Schweizer Franken, während der Gesamtmarkt leicht zulegen konnte.

la/dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH