Samstag, 23. Juni 2018

Nespresso, KitKat, Maggi Nestlé-Chef riskiert Preiskrieg mit Edeka und Verbündeten

Und raus damit: Edeka ist mit 50 Milliarden Umsatz die Nummer Eins im deutschen Lebensmittelhandel. Im Kampf um geringere Preise hat sich der genossenschaftlich organisierte Konzern im Verbund mit anderen Händlern jetzt mit dem weltgrößten Nahrungsmittelhersteller Nestlé angelegt. Nestlé-Chef ...

Stagnierende Umsätze, fallende Gewinne - der neue Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider hat eigentlich schon genug auf seiner To-do-Liste. Jetzt riskiert der Deutsche auch noch einen Machtkampf mit dem größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka und seinen europäischen Verbündeten.

Deutschlands Discounter rüsten auf - im Inland wie im Ausland. Ketten wie Aldi investieren Milliarden nicht nur in die Erneuerung ihrer Filialen, sondern nehmen zusehends auch Markenartikel mit ins Regal. Seien es Lebensmittel oder Pflegeprodukte - die Discounter zielen damit direkt auf eine zahlungskräftigere Kundschaft, die sonst bei Rewe oder Edeka einkauft.

Das verschärft den Wettbewerb und setzt auch den Marktführer Edeka unter Druck. Im Kampf um bessere Einkaufspreise hat sich Edeka nach einem Bericht der "Lebensmittelzeitung" (kostenpflichtig) jetzt gleich mit Nestlé angelegt, der weltweiten Nummer eins der Nahrungsmittelhersteller mit einem Umsatz von etwa 90 Milliarden Schweizer Franken.

... Ulf Mark Schneider will ganz offensichtlich nicht einknicken und lässt sich auf den Machtkampf ein

Edeka hat dem Bericht zufolge 163 Produkte des Nahrungsmittelriesen mit dem Bann der Auslistung belegt. Das heißt: In den rund 5900 deutschen Edeka-Filialen könnten die Nestlé-Produkte in den nächsten Tagen Stück für Stück aus dem Regalen fliegen. Betroffen seien diverse Marken in fast allen Warengruppen: zum Beispiel Bübchen-Pflegeprodkte, Nescafé, Wagner-Pizza, Mineralwasser (Vittel, San Pellegrino) oder auch Marken wie Thomy (Mayonnaise, Ketchup, Salatsaucen) und Maggi.

Weder Edeka noch Nestlé wollten den Bericht kommentieren.

Edeka agiert dabei nicht allein, sondern zusammen mit anderen Mitgliedern des Händlerbündnisses "Agecore". Die Allianz steht für 140 Milliarden Euro Bruttoumsatz im Jahr, ihr gehören neben Edeka unter anderem Intermarché und Coop Schweiz an. Hintergrund der konzertierten Aktion ist dem Bericht zufolge, dass Nestlé anderen Einkaufskooperationen angeblich bessere Preise gewährt.


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Schätzungen zufolge erzielt Nestlé über die Läden des "Agecore"-Bündnisses 10 Prozent seines Europa-Umsatzes. 900 Millionen Franken soll der Nahrungsmittelriese allein in Deutschland über Marktführer Edeka einspielen.

Kein Pappenstiel also, dennoch scheint der neue Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider den Machtkampf mit Edeka und Co aufnehmen zu wollen. Schließlich will der Deutsche den Nahrungsmittelriesen verstärkt auf Profit trimmen - und da können sich kleinste Preisunterschiede eines riesigen Sortiments in Summe schon beträchtlich auswirken.

Im vergangenen Jahr trat der Hersteller von Nespresso, KitKat oder Maggi mit rund 90 Milliarden Schweizer Franken Jahresumsatz quasi auf der Stelle. Zugleich aber rutschte der Konzerngewinn um etwa ein Sechstel auf 7,2 Milliarden Schweizer Franken ab.

Auseinandersetzungen im Lebensmittelhandel mit Herstellern sind indes keine Seltenheit. Oligopolisten wie Edeka, Lidl, Aldi und Rewe können dabei auf die ungleich größere Anzahl der Hersteller großen Druck ausüben. Zumeist geht es in den Konflikten um Lieferkonditionen und Preise. So verbannte Edeka im vergangen Jahr eine Zeitlang einige Produkte des Lebensmittelherstellers Mars aus den Regalen. Lidl wiederum scheute sich nicht, eine namhafte Marke wie Coca-Cola für zwei Monate aus dem Sortiment zu verbannen.

rei

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