Montag, 17. Dezember 2018

Vorstandschef geht Finanzinvestor sorgt für Aufruhr bei Modelabel Desigual

Desigual: Beim Modelabel kracht es
Desigual

Die spanische Modemarke Desigual verkauft sich als nonkonform, bunt und fröhlich. Mit ihren ausgefallenen Modellen hat sie seit ihrem Start 1983 die Welt im Sturm erobert. Doch nun herrscht Unruhe im Konzern. Mehrere Führungskräfte haben ihre Posten verlassen. Auslöser des Tohuwabohus ist laut spanischen Presseberichten der Finanzinvestor Eurazeo. Den Franzosen, die vor rund einem Jahr für 285 Millionen Euro bei Desigual eingestiegen sind, halten das Wachstum der katalanischen Modemarke offenbar nicht schnell genug.

Eine Darstellung die Desigual prompt zu entkräften suchte. "Eine dritte Partei" sei nicht an der Entscheidung beteiligt gewesen", ließ das Unternehmen verlauten. Zuvor hatte sich manager magazin online beim an Desigual mit 10 Prozent beteiligten Finanzinvestor Eurazeo nach den Hintergründen des jüngsten Abgangs von CEO Manel Jadraque erkundigt. Dieser hatte am Montag die Mode- und Textilbranche aufgeschreckt. Schließlich hatte Jadraque, der bereits seit mehr als zehn Jahren für die spanische Modemarke tätig ist, den Chefposten erst vor rund einem Jahr übernommen.

Doch nun muss er gehen. Laut der spanischen Zeitung "El Confidencial" auf Druck des Finanzinvestors, der auch an Europas größtem Autovermieter Europcar beteiligt ist, und diesen offenbar demnächst an die Börse bringen will. Dem Blatt zufolge werfen die Franzosen Jadraque vor, hinter den gesetzten Zielen für 2014 zurückgeblieben zu sein.

Chefposten soll zunächst Gründer Thomas Meyer übernehmen

Offiziell hieß es, die Entscheidung, dass Jadraque den Chefposten aufgeben solle, sei "einvernehmlich" aufgrund "unternehmerischer Herausforderungen" gefallen. Er bleibe aber Mitglied des Verwaltungsrates. Dem Blatt zufolge verlässt mit ihm auch der für das Damensegment zuständige José Armillas das Haus.

Offiziell "einvernehmlich" getrennt: Andere Quellen berichten, Desigural-Chef Manel Jadraque wurde auf Drängen von Finanzinvestor Eurazeo vor die Tür gesetzt
Den Chefposten soll nun zunächst Gründer Thomas Meyer übernehmen. Der öffentlichkeitsscheue Schweizer Milliardär hatte die Modemarke in den 80er Jahren auf Ibiza gegründet und hielt zuletzt 90 Prozent am Unternehmen. Allerdings hatte sich der Finanzinvestor beim Einstig von Desigual eine Aufstockung seiner Anteile auf bis zu 14 Prozent vorbehalten, sollte Desigual seine Ziele verfehlen. Dazu, ob dieser Fall bereits eingetreten ist und wie hoch die Beteiligung Eurazeos an Desigual aktuell ist, äußerte sich der Finanzinvestor zunächst nicht.

Ob Meyer den Posten lange innehaben wird, ist allerdings fraglich. Gerüchten zufolge will Eurazeo den rasant wachsenden Modehändler im kommenden Jahr an die Börse bringen. Ob Gründer Meyer ungeachtet seines bereits erwiesenen unternehmerischen Talents, über genügend Erfahrung verfügt und überhaupt die Ambitionen hat, ein Unternehmen in der Größe Desiguals auf Dauer zu führen, ist fraglich.

Milliarden-Umsatz-Schwelle noch nicht überschritten

Der Druck, der auf dem Unternehmen lastet ist enorm. Eigentlich sollte Desigual 2014 die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro knacken. Ein Ziel, das noch der ehemalige Vorstandschef Manel Adell ausgegeben hatte, der das Unternehmen 2012 nach zehn Jahren jedoch verließ und einen Börsengang immer abgelehnt hatte. Seine 30 Prozent am Unternehmen übernahm damals wieder Meyer.

Doch die Milliarden-Umsatz-Marke hat Desigual bislang verfehlt. Zwar bleibt der Modehändler klar auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz nach Angaben des Unternehmens um 16,2 Prozent auf 964 Millionen Euro zu. Die Gewinnmarge lag demnach bei 14 Prozent des Umsatzes. Die Nettoliquidität bei mehr als 220 Millionen Euro. Gegenüber den Vorjahren, wo die Wachstumsraten noch bei fast 90 Prozent (2009) lagen und auch gegenüber 2012 und 2013 mit 24 beziehungsweise 18 Prozent hat sich das Umsatzwachstum allerdings spürbar verlangsamt.

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