Sonntag, 31. Juli 2016

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Aufspaltung der Metro Der Befreiungsschlag des Olaf Koch

Metro-Chef Olaf Koch: Geschickter Schachzug

Mit der Aufspaltung der Metro AG in einen Lebensmittelhändler sowie einen Unterhaltungs-Elektronik Retailer löst Konzernchef Olaf Koch gleich mehrere Probleme auf einmal - und wird ganz nebenbei seinen Kritiker Erich Kellerhals los.

Es ist fast genial, was Metro-Chef Olaf Koch und seine Juristen da ersonnen haben: Die Metro AG wird aufgespalten in einen Groß- und Lebensmittelhändler mit Metro Cash & Carry und Real einerseits sowie einen Unterhaltungselektronik-Retailer mit der Mehrheitsbeteiligung an Media-Saturn, Redcoon und verbundenen Serviceunternehmen andererseits. Koch löst mit diesem Schritt gleich eine Reihe von Problemen auf einen Schlag.

Zunächst wird der so genannte Konglomeratsabschlag, der bislang schwer auf dem Kurs der Metro-Aktie Börsen-Chart zeigen lastete, sich schnellstens auflösen. Die Börse bewertet Mischkonzerne, die in verschiedenen Branchen tätig sind, schlechter als die Summe ihrer Einzelunternehmen. Gleich nach Bekanntgabe der Pläne am Mittwoch schoss die Metro-Notiz in die Höhe.

Zudem kommt Koch der vor allem vom Großaktionär Haniel geforderten Aufspaltung des Konzerns nach dem Verkauf der Galeria Kaufhof einen weiteren gewaltigen Schritt näher. Die Eigentümer, darunter auch die Beisheim-Stiftung und die Familie Schmidt-Ruthenbeck, bekommen Aktien des einen wie des anderen Unternehmens und können künftig je nach ihren Portfolio-Präferenzen frei entscheiden, an welchem der Geschäfte sie beteiligt bleiben wollen.

Wenn es Koch dann auch noch gelingt, die kränkelnde und ungeliebte Selbstbedienungswarenhaus-Kette Real zu einem akzeptablen Preis loszuwerden, hat er seine Mission erfüllt.

Einspruch von Kellerhals nahezu ausgeschlossen

Koch geht überdies den Schwierigkeiten, die aus dem langjährigen Gesellschafterstreit bei Media-Saturn resultieren, elegant aus dem Weg. Einspruchsmöglichkeiten des eigenwilligen Minderheitseigners Erich Kellerhals gegen die Transaktion sind nahezu ausgeschlossen. Dies deshalb, weil Kellerhals bei der Media-Saturn-Holding keinen neuen Mitgesellschafter bekommt. Denn technisch wird die Aufspaltung der Metro AG so gelöst, dass der Konzern nicht etwa die 78-prozentige Media-Saturn-Beteiligung an eine neue Gesellschaft ausgliedert, sondern den anderen Unternehmensteil, Metro Cash & Carry und Real.

Media-Saturn bleibt bei der Metro AG, die anschließend allerdings umbenannt wird. Der Traditionsname Metro wird sich voraussichtlich bei dem abgespaltenen Unternehmen als Namensbestandteil wiederfinden.

Wenn Metro die Media-Saturn-Beteiligung abgespalten beziehungsweise an eine andere Gesellschaft übertragen hätte, hätte Kellerhals ein Vorkaufsrecht für die bei Metro liegenden Anteile geltend machen können. Womöglich hätten Metros Anteile sogar gegen eine Entschädigung von Media-Saturn selbst eingezogen werden können. Solche Konsequenzen sind nun aber ausgeschlossen, weil die Rechte Kellerhals' an der Media-Saturn-Holding "unberührt" bleiben, wie ein Sprecher von Kellerhals' Holding Convergenta bestätigt.

Eigenständiger Börsengang von Media-Saturn vermieden

Außerdem vermeidet Koch einen eigenständigen Börsengang der Media-Saturn Holding. Der wäre durch die starken Minderheits- und Vetorechte Kellerhals' belastet, wenn nicht sogar zum Scheitern verurteilt.

Ganz nebenbei wird Koch seinen Gegner und Kritiker Kellerhals los. Der heutige Metro-CEO wird künftig der abgespaltenen Groß- und Lebensmittelhandelsfirma vorstehen - und hat so nichts mehr mit dem ihm lästigen Media-Markt-Mitgründer zu tun.

Den Streit mit dem Minderheitsgesllschafter überlässt Koch dem heutigen Media-Saturn-Chef Pieter Haas, der Vorstandsvorsitzender der selbstständigen Unterhaltungselektronik-Firma werden soll - wie auch immer die Alt-Metro AG dann heißen mag.

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