Montag, 17. Dezember 2018

Flashsale-Seite Rückzug aus USA - Luxushändler Vente Privée kapituliert vor Rivalen

Französische Lässigkeit: Vente-Privée-Gründer Jacques-Antoine Granjon

In Frankreich ist die Schnäppchenseite Vente Privée klarer Marktführer. Doch der Export des Erfolgsmodells in die USA scheiterte. Jetzt macht die Flashsale-Seite ihr US-Joint Venture dicht - zumindest vorläufig.

Hamburg - Lässigkeit und Erfolg - Vente-Privée-Gründer Jacques-Antoine Granjon strahlt sie aus wie nur wenige in seinem Geschäft. Mit wehender Mähne, im Anzug oder ganz leger mit Cowboystiefeln und Lederjacke verkaufte er seit Jahren seine Erfolgsgeschichte: die von Vente Privée, der Mutter aller Flashsale-Seiten, auf der Markenhersteller überschüssige Ware - von Schuhen bis zum Auto - loswerden können. Zwar mit starken Rabatten, aber doch in einem "wertigen Umfeld".

2001 gegründet, gehört die französische Schnäppchenseite mit rund 20 Millionen Kunden in Europa mittlerweile zu den größten Onlinehändlern. Alleine in Frankreich rufen täglich rund 840.000 Kunden die Seite des Unternehmens auf, in der seit kurzem auch der auch der Staatsfonds von Katar investiert ist. Alleine 2013 legte der Umsatz um 23 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu - bei einer Gewinnmarge von angeblich rund 5 Prozent. Bis 2024 soll der Umsatz- so Granjons Pläne - dann auf 6 bis 8 Milliarden anwachsen.

Im US-Markt allerdings war der Händler, der sich für seine US-Unternehmung mit dem Kreditkartenunternehmen American Express Börsen-Chart zeigen zusammengetan hatte, mit weniger Glück und Geschick gesegnet.

Rund drei Jahre nach US-Markteintritt 2011 hat Vente Privée Schätzungen zufolge bislang lediglich eine Million Kunden - ein Bruchteil von denen in Europa. Und dafür mit Wettbewerbern wie Gilt, HauteLook, RueLaLa, BeyondTheRack and Ideeli jede Menge Konkurrenz, von denen viele deutlich früher am Start waren.

Eigentlich sollte die US-Seite 2015 profitabel werden, kündigte Granjon noch vor kurzem an. Die Abhängigkeit vom französischen Markt, der noch immer rund 80 Prozent des Geschäftes ausmacht, sollte deutlich sinken. Den US-Umsatz wollte Granjon im laufenden Jahr von 50 Millionen Dollar auf 100 Millionen Dollar verdoppeln. Er sehe "enorme Marktchancen" tönte er.

Doch daraus scheint nun erst einmal nichts zu werden.

Denn nun kündigten beide Partner an, das Joint Venture nicht weiterführen zu wollen. "Beide Unternehmen haben angesichts des Tatsache, dass der Weg zur Profitabilität weiter sein dürfte als erwartet, beschlossen, dass es Zeit ist, sich auf andere Prioritäten zu fokussieren", erläuterte eine Amex-Sprecherin die Entscheidung.

Um mit dem bisherigen Modell in den USA signifikantes Wachstum zu erzeugen, sei eine "exponentielle Menge Zeit, Ressourcen und finanziellem Investment" nötig gewesen, hieß es bei Vente Privée. Bis zum Jahresenende soll der Geschäftsbetrieb auch in den USA jedoch aufrechterhalten werden.

Dem US-Magazin Fortune zufolge fiel die Entscheidungen, das Joint Venture mit den Franzosen aufzugeben, im September - und zwar, als der bei Amex für Geschäftsentwicklung zuständige Dan Schulman als neuer Chef zu Paypal wechselte. Laut "Fortune" war er der einzige Advokat des Unterfangens bei Amex . Die Möglichkeit, Amex aus dem Joint Venture herauszukaufen, habe Vente Privée nicht genutzt.

Zudem habe die Chemie zwischen den beiden Partner nie wirklich gestimmt. Anders als von Granjon erwartet, habe sich AmEx regelmäßig ins operative Geschäft eingemischt, was sich im Tagesgeschäft oft als schwierig erwiesen habe. Eine ganze Reihe von Führungskräften hatten das Joint Venture dann auch in der Vergangenheit verlassen.

Summit Partners will offenbar aussteigen

Ausschlaggebend für den Rückzug sei dann aber letztlich der Druck von Vente-Priveé-Anteilseigner Summit Partner gewesen, die Kosten zu senken.Laut "Fortune" will Summit, die bereits 2007 mit angeblich rund 20 Prozent bei Vente Privée eingestiegen sind, die Beteiligung losschlagen und das Unternehmen dafür bestmöglich aufhübschen.

So ganz scheint der erfolgsbewusste Vente Privée Gründer, der sich in einem raumgreifenden Werk des Künstlers David Mach schon als Jesus mit seinem zwölf Jüngern darstellen ließ, sich von seinem US-Traum aber noch nicht trennen zu wollen. Zwar wolle man sich nun weiter auf die Schlüsselmärkte mit deutlich größerem und schneller zu erschließendem Wachstumspotenzial konzentrieren, kündigte Granjon nun an. Man "erwäge jedoch ein neues Modell in den USA".

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