Samstag, 15. Dezember 2018

Machtkampf zwischen LVMH und Hermès Ende des Handtaschenkriegs

"Festival des Métiers" in Hamburg: Hermès zeigt, wie Luxus entsteht
Hermès / Sandra Steh

Das Seidentuch zwischen den Luxusunternehmen LVMH und Hermès bleibt intakt: LVMH verzichtet auf den Kauf neuer Hermès-Anteile und will die, die es schon hat, an seine eigenen Aktionäre abgeben. Hermès hatte eine feindliche Übernahme befürchtet.

Hamburg - Nach fast vier Jahren haben die französischen Luxus-Unternehmen Hermès und LVMH ihren erbitterten Machtkampf beendet: Der weltgrößte Luxuskonzern LVMH gibt seine Anteile an Hermès von mehr als 23 Prozent an seine eigenen Aktionäre ab und verpflichtet sich, in den nächsten fünf Jahren keine neuen Hermès-Anteile zu kaufen, wie beide Unternehmen am Mittwoch in Paris mitteilten. Das für seine Lederwaren und Seidentücher bekannte Modehaus Hermès hatte LVMH vorgeworfen, heimlich seine Anteile an Hermès erhöht zu haben, und befürchtete eine feindliche Übernahme.

Die Abgabe der Hermès-Anteile durch LVMH soll bis spätestens zum 20. Dezember erfolgen. Über seine Holding Groupe Arnault hält LVMH-Chef Bernard Arnault künftig dann noch 8,5 Prozent an Hermès.

Die Übereinkunft zwischen den beiden Häusern beendet de facto den seit 2010 andauernden erbitterten sogenannten "Handtaschenkrieg" um die Erhöhung der LVMH-Anteile an dem Familienunternehmen Hermès. Die Einigung kam infolge eines Schlichtungsverfahrens beim Pariser Handelsgericht zustande, vor dem Hermès geklagt hatte. Formell hat die Justiz nun das letzte Wort.

Hermès fürchtete um seine Unabhängigkeit

Gegen LVMH war bereits von der französischen Börsenaufsicht im Juli 2013 eine saftige Strafe von acht Millionen Euro wegen des heimlichen Einstiegs bei Hermès verhängt worden. LVMH beteuerte stets, der Konzern wolle weder die Kontrolle bei Hermès übernehmen, noch ein Übernahmeangebot vorlegen oder einen Sitz im Verwaltungsrat.

Hermès dagegen fürchtete um seine Unabhängigkeit. Die Familie Hermès hatte LVMH-Chef Arnault mehrfach zu einem Rückzug aus ihrem Unternehmen aufgefordert. Im Kampf gegen den Luxuskonzern gründete die Familie zudem eine Holding, die einen Anteil von mehr als 50 Prozent an der Firma hält und damit eine feindliche Übernahme unmöglich machen soll.

Zu LVMH gehören dutzende Nobelmarken wie Vuitton, Kenzo und Givenchy sowie unter anderem die Champagnermarke Moët et Chandon.

AFP/mh

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