Montag, 21. August 2017

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Lieferando-Gründer Christoph Gerber - das Leben nach dem Zahltag Jung und Millionär: Was nun?

Lieferando-Gründer Christoph Gerber (m.) mit seinen Mitstreitern Kai Hansen (l.) und Jörg Gerbig (r.) bei der Feier des Börsengangs von Takeaway 2016 in Amsterdam...

Zum Eingang der Amsterdamer Börse führt an diesem Freitag ein orangener Teppich, daneben baumeln Ballons. Es ist früh am Morgen, 8 Uhr, trotzdem soll es wie eine Party aussehen. Drinnen, auf dem Balkon, stehen drei junge Männer im Anzug. Sie warten darauf, dass Jitse Groen, der Geschäftsführer, endlich den Gong schlägt.

Es ist der 30. September des vergangenen Jahres, der Tag des Börsengangs von Takeaway.com. Das niederländische Start-up wird an diesem Tag 328 Millionen Euro einnehmen, mehr als die Hälfte davon fließt an Wagnisfinanzierer und andere Anteilseigner, darunter auch die drei jungen Männer auf dem Balkon.

Takeaway vermittelt in zehn Ländern Essensbestellungen über das Internet. In Deutschland ist die Firma unter der Marke Lieferando ("Isch bin Dir Farfalle.") bekannt. Marktführer Lieferando ist hier der größte Konkurrent von Delivery Hero (Lieferheld, pizza.de, Foodora), das in diesem Sommer ebenfalls an die Börse will.

Christoph Gerber hatte sich diesen Tag in Amsterdam oft ausgemalt. Jetzt, als er wirklich in der Börse feiert, ist es surreal und erleichternd zugleich. Er ist einer der jungen Männer auf dem Balkon.

Gerber, sein Freund Kai Hansen und der heutige Takeaway-Deutschlandchef Jörg Gerbig hatten Lieferando 2009 in Berlin gegründet und später mit Takeaway verschmolzen. Als Gegenleistung bekamen sie damals Anteile des neuen Gemeinschaftsunternehmens, die sie nun via Börse an Investoren verkaufen.

Die drei Gründer hatten einst in ihrer Studenten-WG Speisekarten per Hand abgetippt, zum ersten Mal verhandelt, Mitarbeiter eingestellt und später einen - auch juristischen - "Lieferkrieg" mit Delivery Hero geführt. Es war eine intensive, sehr aufreibende Zeit, mehrmals stand Lieferando kurz vor dem Aus. Mit dem Erklingen des Börsengongs sollten sich diese Mühen endlich auszahlen.

Gerber und Hansen verhandeln in Amsterdam in der Nacht zuvor noch bis in die Morgenstunden mit den Takeaway-Anwälten. Sie arbeiten zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr für das Unternehmen, vor allem Gerber kommt mit dem neuen Boss Groen nicht zurecht.

Ihre Freundinnen sind mit nach Amsterdam gekommen, die Vier wohnen gemeinsam in einem Airbnb-Appartment. In der Börse gibt es Torte, später gehen die Freunde noch in einen Club. Gut sechs Tage später werden ihnen Banken wie Morgan Stanley den Kaufpreis für ihre Anteile überweisen. Gerber, 31 Jahre alt, ist seitdem Multimillionär mit Eigentumswohnung und Porsche 911.

Für deutsche Verhältnisse ist das eine ungewöhnliche Geschichte. Nur wenige Gründer schaffen es, ein Start-up zu einem millionenschweren "Exit", also an die Börse oder bis zu einem Verkauf, zu führen. Es ist der Traum vieler junger BWL-Absolventen, gerade solcher, die auf Privatuniversitäten wie der WHU in Vallendar oder der HHL in Leipzig studiert haben. Gründer hat sich in dieser Szene als Trend-Beruf etabliert. Die Hochschulen werben mit Oliver Samwer und anderen bekannten Tech-Alumni, sie verkaufen dabei auch den Traum vom schnellen Reichtum.

Aber was kommt danach?

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