Dienstag, 24. Oktober 2017

Pop-Up-Store auf Hamburgs Luxusflaniermeile Lidl kann auch edl

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Bild: manager magazin online

Der Neue Wall ist Hamburgs edelste Einkaufsstraße. Patek Philippe, Louis Vuitton, Jil Sander, Prada, Gucci - alles, was in der Nobelmarkenwelt Glanz und Namen besitzt, hat einen Store hier. Und jetzt auch: Lidl. Der Discounter hat für zehn Tage einen Pop-Up-Store seiner Textilmarke Esmara zwischen die Luxusläden geflanscht - und spielt selbstbewusst und wahrscheinlich auch ein bisschen selbstironisch mit der Optik hochpreisiger Einkaufswelten.

Auf den mattschwarzen Kartontaschen steht "Esmara" - das sonst kreischgelb-blau-rote Lidl-Logo mit dem kippenden "i" findet sich im Laden nur in dezenter Farbgebung, grau in grau auf dem Verkaufstresen, schwarz auf beige an der Wand. 44 Artikel gibt es im Pop-Up-Store zu kaufen, davon acht aus dem sogenannten Premium-Segment. Wobei das teuerste Stück ein Kaschmir-Pullover für 49,99 Euro ist. Der gehe am besten, sagt PR-Manager Gianfranco Brunetti, man habe schon nachgeordert.

Fröhlich weist er darauf hin, dass es ein sehr ähnliches Modell auch ein paar Häuser weiter bei Zara gebe - allerdings für den dreifachen Preis. Der Kunde habe halt die Wahl. Eine kleine Anspielung auf die derzeit laufende aggressive Lidl-Kampagne, die Markenprodukte wie Coca-Cola den preiswerteren Hausmarken wie Freeway Cola gegenüberstellt - beides ist bei Lidl zu kaufen. Kleidung von Zara wie auch von Gucci oder Prada allerdings nicht, aber Einkaufschef Jan Bock betonte bei der Eröffnung des Stores, es sei ja ein Trend, Mode aus ganz verschiedenen Preissegmenten zu kombinieren.

Der feine Laden ist eine weitere Mini-Offensive in einem Handelskrieg der Giganten. Den deutschen Discountern brechen die alten Kunden weg - billig alleine reicht nicht mehr, Edeka und Rewe machen immer mehr Boden gut. Neue Kunden müssen her, das Image muss breiter aufgestellt werden, ohne Schnäppchenjäger zu verprellen. Das kann gelingen: Jüngst präsentierte Aldi eine Kollektion der Modemacherin Jette Joop, in Großbritannien wurde der Discounter sogar zum besten Weinhändler der Insel gekürt.

Lidl zieht nun nach. PR-Mann Brunetti legt Wert auf die Feststellung, dass Lidl schließlich der achtgrößte Textilhändler der Bundesrepublik sei: "Es gibt 9000 Textilhändler - und wir haben 3200 Filialen." Die Kleidung aus dem Esmara-Store wird es ab dem 19. September auch in den normalen Lidl-Filialen geben.

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