Sonntag, 19. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Lebensmittelhandel Lebensmittel-Riese Rewe warnt vor Amazon Fresh

In den USA längst unterwegs: Lieferfahrzeuge von Amazon Fresh

In Seattle eröffnete der Internethändler Amazon kürzlich ein ganz normales Lebensmittelgeschäft. Na ja, vielleicht nicht ganz so normal. Denn der Einkauf soll dort ohne Kassen und Warteschlangen funktionieren. Stationäre Lebensmittelläden sind in der Tat noch ein Novum bei Amazon. Bekannter und verbreiteter in den USA und in London ist dagegen der Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh.

Auch in Deutschland will Amazon Fresh den Markt aufmischen - wie manager magazin bereits exklusiv meldete - was den etablierten Anbietern der Branche hierzulande mittlerweile Sorgen bereitet.

"Wir müssen uns warm anziehen gegen Amazon Fresh", sagte Rewe-Chef Alain Caparros der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Er bekomme Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass Amazon von den Kunden als bester Einzelhändler wahrgenommen werde. Die Verzahnung des stationären Handels mit dem Online-Geschäft müssten die Lebenshändler hinbekommen, sonst würden sie irgendwann von Amazon abgehängt, sagte Caparros.

Amazon selbst hält sich offiziell zu einem möglichen Marktstart in Deutschland noch bedeckt. Dazu gebe es keine Ankündigungen, sagte eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch.

"Müssen uns warm anziehen": Rewe-Chef Alain Caparros

Tatsächlich geht es in dem Markt um ein Riesengeschäft. Rund 170 Milliarden Euro geben die Bundesbürger Jahr für Jahr für den Einkauf von Lebensmitteln aus. Doch während sich die Onlinehändler im Buchhandel, bei Textilien oder in der Elektronik längst ein großes Stück des Kuchens gesichert haben, spielt der E-Commerce im Lebensmittelhandel noch eine kaum sichtbare Rolle. Nur rund ein Prozent der Branchenumsätze entfallen das Internet.

Wegen der guten Aussichten tummeln sich inzwischen auch branchenfremde Anbieter in dem Geschäft. 2015 hatte die Deutsche Post seinen Online-Supermarkt Allyouneed neu positioniert. Ziel ist dabei, das Geschäft rund um die Paketzustellung durch den stark wachsenden Online-Bereich mit frischen Lebensmitteln zu erweitern. Allyouneed Fresh bietet derzeit mehr als 22 000 Artikel, darunter 3600 Bio-Erzeugnisse.

rei mit dpa

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH