Dienstag, 20. November 2018

Langnese, Knorr, Mondamin fliegen aus dem Regal Und raus bist Du - Kaufland setzt Unilever vor die Tür

Flutschfinger: Jedwedes Eis von Langnese, das wiederum zu Unilever gehört, fliegt aus den Regalen von Kaufland

Langnese, Knorr, Mondamin ... der Discounter Kaufland räumt ab sofort alle Marken des Produzenten Unilever aus dem Regal. Insgesamt sind 480 Produkte betroffen. Bei dem Streit geht es um bessere Einkaufskonditionen. Der Konflikt erinnert an die erbitterte Auseinandersetzung zwischen Edeka und dem Konzern Nestlé. Die Macht in der Branche verschiebt sich mehr vom Produzenten zum Händler, sagen Experten.

Im Streit um bessere Einkaufskonditionen räumt der Discounter Kaufland bundesweit 480 Produkte des Konsumgüter-Riesen Unilever aus seinen Regalen. Davon betroffen sind bekannte Marken wie Knorr, Mondamin, Pfanni, Langnese, Lipton oder Dove, schreibt die "Lebensmittel Zeitung" (LZ). Kaufland bestätigte am späten Montagnachmittag den Bericht.

Unilever habe "kurzfristig" und "drastisch" die Preise erhöht. Das neue Angebot enthalte Konditionen, "die es uns nicht ermöglichen, unseren Kunden neben der großen Auswahl und hohen Qualität auch den besten Preis zu bieten", zitiert die Zeitung den Einkaufsleiter von Kaufland Deutschland. Dies aber verspreche der Discounter seinen Kunden.

Unilever wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Konflikt äußern. Kaufland will die entstehenden Lücken im Regal vorerst mit Eigenmarken auffüllen. Auch an seinen Standorten in Osteuropa nehme Kaufland einige Unilever-Produkte aus dem Regal, heißt es in dem Bericht weiter. Außerdem sei geplant, neue und andere Marken mit ins Sortiment aufzunehmen.

Branchenexperten in entsprechenden Online-Fachmedien interpretieren die Entscheidung von Kaufland auch als Beleg für eine Machtverschiebung zugunsten der Händler, die den Versuch wagen, sich unabhängiger von großen Marken und Produzenten zu machen. Kurz zuvor hatte Kaufland bekannt gegeben, allein sein Bio-Sortiment um 300 zusätzliche Artikel auf 1600 Produkte auszubauen.

Der Discounter Kaufland will Preiserhöhungen nicht akzeptieren und legt sich deshalb mit dem Lebensmittel- und Konsumgüter-Riesen Unilever an

Streit um bessere Einkaufskonditionen im Lebensmittelgeschäft zwischen Händlern und Herstellern sind nicht ungewöhnlich. Selten allerdings eskalierte ein Konflikt wie zuletzt im Frühjahr dieses Jahres, als Edeka wiederholt den Lebensmittel-Riesen Nestlé boykottierte. Die Edeka-Gruppe hatte den Boykott Ende Februar gemeinsam mit ihren fünf Partnern des europäischen Händlerbündnisses Agecore begonnen.

Der Kampf zwischen Edeka und Nestlé beschäftigt seit diesen Sommer dann auch die Schlichtungsstelle der Branche. Sie soll nach LZ-Informationen (kostenpflichtig) die Zulässigkeit der Konditionsanforderungen von europäischen Handelsallianzen klären. Das vom Markenverband und Handelsverband HDE über die "Dialogplattform Lebensmittelkette" in Auftrag gegebene Gutachten soll nach Informationen der Zeitung bis Ende dieses Jahres vorliegen.

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