Sonntag, 25. Juni 2017

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Stuffle, Shpock und Co. Ebays Erben

Jäger der Kleinanzeigen: Deutschlands Netzflohmärkte im Vergleich
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Stuffle

Flohmarkt-Apps sind die neuen Lieblinge der Investoren: Das Wiener Startup Shpock hat jüngst ebenso Geld eingesammelt wie jetzt der Hamburger Wettbewerber Stuffle. Beide sind angetreten, jene Privatverkäufer zu erreichen, denen Ebay zu umständlich ist.

Hamburg - Wer durch die Bürofenster Morten Hartmanns schaut, scheint über dem Hamburger Hafen zu schweben. Im Hintergrund bewegen sich Lastwagen auf der kilometerlangen Köhlbrandbrücke mit ihren zwei Pylonen wie Ameisen über einen langen schmalen Ast. Laubblätterfarbige Container stapeln sich zu Hunderten links und rechts auf den Lagerflächen neben dem gigantischen Hafenbecken, an dessen Kaimauern vierbeinige Kräne die langen Hälse in den Himmel recken. "Direkt hier vor unserem Fenster drehen die auch die 350 Meter langen Pötte", sagt der Gründer des Online-Flohmarkts Stuffle und blickt auf die blaue Wasserfläche, auf der jetzt nur ein kleiner Schlepper sein Kielwasser die Elbe hinauf zieht.

Für den Warenumschlag, der bislang über Stuffles Smartphone-App vermittelt wird, bedarf es solcher Containergiganten noch nicht. In solchen Kategorien ist eher Ebay Börsen-Chart zeigen unterwegs, mit Abstand Marktführer im deutschen Kleinanzeigengeschäft. Und dennoch, an Selbstvertrauen fehlt es dem elfköpfigen Kernteam rund um den 33-Jährigen nicht. An einer der Bürowände hängt ein rotes Din-A4-Blatt auf dem in weißer Schrift steht: "Der Laden läuft!" Und gleich daneben reißt sich Superman auf einem an die Wand geklebten Poster sein Hemd auf, so dass auf der blauen Brust Stuffles rotes Logo zum Vorschein kommt - zwei sich schüttelnde Hände.

Es ist erst wenige Tage her, dass auch Hartmann einige Hände schütteln durfte. Denn Anfang Oktober haben sich nach Informationen von manager magazin online gleich zwei Venture-Capital-Geber an dem vor anderthalb Jahren gegründeten Start-up beteiligt.

Millionenspritzen für schnelles Wachstum

Tivola Ventures, der Wagniskapitalgeber der SPD-nahen Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft, wird demnach 25 Prozent der Stuffle-Anteile für einen hohen sechsstelligen Betrag übernehmen. Leverate Media, eine von ehemaligen Managern des Internetkonzerns 1&1 hervorgegangene Beteiligungsgesellschaft, wird gut 20 Prozent der Anteile an Stuffle übernehmen. Im Zuge dieses Media-for-Equity-Deals erhält das Start-up zunächst rund ein Jahr lang Werbeplätze auf 1&1-Portalen, wobei sich das Brutto-Media-Volumen dem Vernehmen nach auf mehrere Millionen Euro beläuft.

Was den Hamburgern nun gelungen ist, hat ihr schärfster Konkurrent bereits hinter sich. Erst Ende August hatte das Wiener Start-up Shpock um dessen CEO Armin Strbac einen siebenstelligen Betrag bei Investoren eingesammelt, darunter das in 27 Ländern tätige Medienkonglomerat Schibsted aus Norwegen.

"Shpock", das steht für "Shop in your Pocket". So wie auch Stuffle, haben es sich die Wiener zum Ziel gesetzt, zum größten Flohmarkt für die Hosentasche im deutschsprachigen Raum zu werden. Das Konzept: Per Smartphone-App kann Gebrauchtes, einfacher als etwa bei Ebay, mit wenigen Klicks gekauft und verkauft werden.

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