Dienstag, 20. November 2018

Stuffle, Shpock und Co. Ebays Erben

Jäger der Kleinanzeigen: Deutschlands Netzflohmärkte im Vergleich
Stuffle

4. Teil: Monetarisierung contra Perfektionierung

Anders als die Digital Pioneers, deren Aktien nach einer Regelreform der Deutschen Börse nicht mehr handelbar sind und die sich inzwischen lieber auf finanzielle Beteiligungen statt unternehmerisches Coaching konzentrieren, ist sich Stuffle seinem Geschäftsmodell seither treu geblieben.

Mit dem Break-even, zumindest auf dem deutschen Markt, rechnet Hartmann inzwischen sogar schon 2014 - ein Jahr früher als eigentlich geplant. Der Grund: Das jüngst eingeführte Bezahlverfahren, das Stuffle seit September gemeinsam mit dem Dienstleister Clickandbuy anbietet, wird besser angenommen als geplant. "Wir hatten kalkuliert, dass es jeder Achte nutzt, jetzt hat sich herausgestellt, dass es eher jeder Fünfte nutzt", sagt Hartman. So wie es große Spieler wie Ebay Börsen-Chart zeigen oder die Otto-Gruppe vormachen, will Stuffle künftig vor allem mit Dienstleistungen rund um das Kerngeschäft Geld verdienen. Ähnlich wie bei den Bezahldiensten könnten dies künftig wohl auch Versanddienste durch Dritte sein, an denen Stuffle mitverdient.

Die Wettbewerber von Shpock lassen es in dieser Hinsicht etwas langsamer angehen. "Wir wollten eigentlich viel früher mit der Monetarisierung beginnen", sagt Shpock-Mitgründer Strbac. In Absprache mit den Investoren hätte sich das Team allerdings anders entschieden. "Wir wollen das Produkt erst perfektionieren."

Auch die Art der Monetarisierung dürfte sich im Vergleich zu Stuffle unterscheiden. Payment- und Logistik-Lösungen sehe er zwar auch, sagt Strbac. "Ich halte es aber für einen Fehler, das zu früh anzugehen." Kurzfristig im Blick hat der Shpock-Chef eher Freemium-Pakete, mit denen Nutzer möglicherweise besser verkaufen können. "Der Basisdienst wird aber auch weiterhin kostenlos bleiben", sagt er.

Auf dem Sprung nach Europa

Dass die Nutzung des Marktplatzes kostenlos bleibt, liegt allerdings schon in der Bedeutsamkeit des Netzeffektes für die Geschäftsmodelle von Shpock und Stuffle begründet. Denn anders als etwa Marktführer Ebay, besitzen beide Start-ups bislang nicht in jeder Stadt die kritische Masse an Angeboten, die es für ein nachhaltiges Kleinanzeigenportal bedürfte.

Dies könnte sich angesichts der neuen Investoren wie Schibsted und Leverate Media und deren europaweiter Vermarktungskraft bald ändern. Und die Internationalisierungspläne liegen sowohl bei Shpock als auch bei Stuffle bereits in der Schublade.

Dennoch gilt: "Wir werden definitiv zunächst die DACH-Region angehen und erst dann internationalisieren", sagt Shpock-Chef Strbac. Sollte hingegen ein Wettbewerber in einen der wichtigen Auslandsmärkte wie Spanien oder Frankreich eintreten, könnte er sich vorstellen nachzuziehen.

Stuffle-Chef Hartmann hat sich als nächsten Markt indes die Schweiz ausgeguckt. "Wir haben dort auch schon einen Kooperationspartner, um direkt 100.000 Angebote mehr auf der Plattform zu haben", sagt er. Und das vom Wettbewerber Shpock besetzte Österreich? "Das nehmen wir nebenbei", sagt er und lacht.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH