Dienstag, 19. Juni 2018

Stuffle, Shpock und Co. Ebays Erben

Jäger der Kleinanzeigen: Deutschlands Netzflohmärkte im Vergleich
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Stuffle

3. Teil: Wilder Workshop contra Inkubator-Konzept

Der Grund: Im selben Jahr als er die Dissertation begann, traf er auch einige ehemalige Mitschüler wieder, die ebenso Lust auf das Gründen hatten wie er. Gemeinsam brachten sie so ein Start-up namens Finderly auf den Weg, dass es Nutzern ermöglichen sollte, per Empfehlungen durch Dritte, passende Produkte zu finden, ohne selbst Experte zu sein. "Shpock ist dann entstanden, weil wir für Finderly eine mobile App programmieren wollten", sagt Strbac.

Der Workshop, in der die App geplant werden sollte, sei indes in einen Erfahrungsaustausch darüber gemündet, wie schwierig es sei, mit dem Smartphone schnell und einfach private Produkte online zu verkaufen. "Gleichzeitig begann damals der große Pinterest-Hype", erinnert sich Strbac. So brachten er und sein Team, darunter auch die Shpock Mitgrüner beide Aspekte zusammen - eine Fotopinwand kombiniert mit einer simplen Verkaufsplattform auf dem Smartphone.

Innerhalb eines Monats nach dem Launch im September 2012 hatten sich die ersten 10.000 Nutzer die App heruntergeladen. "Und im Gegensatz zu Finderly hat jeder sofort verstanden, wie es funktioniert", sagt der 32-Jährige.

Die Doktorarbeit geschmissen

Schnell und einfach Sachen loszuwerden, die man nicht mehr braucht: Das war auch das Ziel, das fast zeitgleich Morten Hartmann und sein halbes Dutzend Mitgründer mit Stuffle verfolgt haben. Wobei auch der 33-Jährige Wirtschaftsinformatiker seine Promotion an der Uni Hamburg - eine statistische Auswertung der Folgen des Klimawandels - auf Eis legte, um stattdessen das Projekt Taschenflohmarkt voranzutreiben.

Schließlich war der Traum von der Selbstständigkeit schon seit Jahren in seinem Kopf umhergespukt. Schon 2005 hatte er sich mit acht Ex-Kommilitonen und Kollegen aus der Internetagentur, in der er zu jener Zeit arbeitete, zusammengesetzt, um gemeinsam über eine Firmengründung zu sprechen. Der Grund: "Wir haben damals gesehen, dass wir vieles an den Produkten besser hinbekommen würden als die Kunden selbst", sagt Hartmann. "Nur getraut haben wir uns den Sprung in die Selbstständigkeit damals nicht."

Dass heute dennoch sechs Stuffle-Mitarbeiter aus der kleinen Gruppe, die sich 2005 traf, stammen, hängt wiederum mit dem Hamburger Start-up-Förderer Digital Pioneers zusammen. 2011 als börsennotierter Inkubator von Heiko Hubertz - dem Gründer des Browsergame-Anbieters Bigpoint - ins Leben gerufen, wollten die Digital Pioneers einiges anders machen als klassische Inkubatoren. Das Team von Stuffle gehörte zu den ersten geförderten Unternehmen, erhielt eine Viertelmillion Euro und alles, was es brauchte, um eine erste App zu entwickeln. "Nach sechs Wochen haben wir sie in den App-Store gestellt und gesehen, dass es einen Markt für unser Produkt gibt", sagt Hartmann.

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