Dienstag, 24. Oktober 2017

Schwerer Schlag für Warenhauskonzern Kaufhof in Not - Euler Hermes kappt Kredit-Limits

Kaufhof: Zweifel an der Bonität wachsen

Geschäftspartner zweifeln offenbar an der vollen Zahlungsfähigkeit von Galeria Kaufhof. Der Kreditversicherer Euler Hermes hat seine Bürgschaften für die Lieferanten der Kaufhauskette laut "Spiegel" deutlich reduziert. Auf Hilfe von Eigentümer HBC kann Kaufhof sich nicht verlassen.

Der Warenhauskonzern Kaufhof sieht sich nach mehreren Eigentümerwechseln und roten Zahlen nun mit neuen, schwerwiegenden Problemen konfrontiert. Der Kreditversicherer Euler Hermes hat die Kreditlimits für Kaufhof-Lieferanten deutlich reduziert, wie "Spiegel Online" am Mittwoch zuerst berichtete. Euler Hermes lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Der Schritt von Euler Hermes ist extrem unangenehm für Kaufhof, denn damit wird es für Lieferanten riskanter, ihre Ware an die Handelskette zu liefern.

Im Normalfall garantiert der Kreditversicherer den Herstellern einen Großteil ihrer Forderungen und schützt sie damit vor Forderungsausfällen. Befürchtet Euler Hermes jedoch drohende Zahlungsprobleme, reduziert der Versicherer diese Garantiehöhe. Ohne solche Garantien droht der Warenstrom schnell zu versiegen, da die Lieferanten dann meist nur noch gegen Vorkasse liefern.

Der Kaufhof-Eigentümer, der kanadische Warenhauskonzern HBC, versuchte am Mittwoch, die Besorgnis bei den Lieferanten zu dämpfen. "Unsere Lieferanten können beruhigt sein", hieß es in einer Mitteilung. HBC stehe eine globale Kreditlinie in Höhe von 2,25 Milliarden US-Dollar (1,9 Mrd Euro) zur Verfügung, die die Zusagen der Kreditversicherer ergänzten.

Erst Metro, dann Hudson's Bay: Geht Kaufhof bald per Notverkauf an Benko?

Bis Oktober 2015 gehörte Galeria Kaufhof zur Metro-Gruppe , dann übernahm der kanadische Handelsriese Hudson's Bay Company (HBC) die Warenhauskette für 2,8 Milliarden Euro. Die Kanadier, zu denen unter anderem die Luxuskaufhäuser Saks Fifth Avenue gehören, hatten mit ihrem Angebot den Karstadt-Eigentümer René Benko (Signa-Gruppe) ausgestochen. "Bigger, better, more exciting" - so lautete die vollmundige Vision der Kanadier für die angeschlagenen Kaufhof-Filialen.

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Doch aus dem HBC-Motto "Bigger, better, more exciting" wurde nichts - im Gegenteil. Beim Kaufhof wurde mit den neuen Eigentümern aus Kanada bislang nichts besser, aber vieles schlechter. Den Erwerbspreis holten sich die HBC-Leute nach Private-Equity-Manier aus dem Kaufobjekt selbst.

HBC saugt das Unternehmen über horrende Mieterhöhungen für die Warenhäuser aus. Seit der Übernahme schreibt Galeria Kaufhof rote Zahlen. Mit untauglichen Konzepten versuchen die Amerikaner, das Warenhaus umzukrempeln. Viele Lieferanten wurden nach Informationen von manager magazin bereits verprellt.

Galeria Kaufhof betreibt derzeit 97 Filialen in Deutschland und beschäftigt rund 21.500 Mitarbeiter. Dazu kommen 16 Kaufhäuser in Belgien unter dem Namen Galeria Inno.

la/mmo/dpa

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