Dienstag, 24. Oktober 2017

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Finanz-Spielraum immer enger Um Kaufhof steht es weit schlimmer als bisher bekannt

Kaufhof in Not: Der Kreditrahmen wird kleiner - und der kanadische Eigentümer HBC ist alles andere als eine Hilfe

Hohe Verluste im laufenden Geschäft, immer geringere freie Kreditlinien und deutliche Zweifel eines wichtigen Kreditversicherers an der Zahlungsfähigkeit: Die ehemalige Metro-Tochter Galeria Kaufhof (113 Warenhäuser, 21.500 Mitarbeiter, 3,1 Milliarden Euro Umsatz) droht immer tiefer in eine - womöglich existenzielle - Krise zu geraten. Investitionen wurden eingefroren.

Der rigide Schritt des Kreditversicherers Euler Hermes, die Forderungen der Kaufhof-Lieferanten künftig zu einem weit geringeren Anteil abzusichern als bisher, trifft das Handelsunternehmen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. In den kommenden Wochen gehen die letzten Bestellungen für das Weihnachtsgeschäft hinaus, die Läger sollen sich allmählich für den zum Jahresende erhofften Käuferansturm füllen. Ausgerechnet jetzt kündigt Euler Hermes an, den Schutz der Lieferanten gegen einen möglichen Ausfall des Schuldners, sprich: gegen eine Insolvenz, einzuschränken.

So fing es vor Jahren bei Karstadt und bei Schlecker an - am Ende stand die Zahlungsunfähigkeit der Handelsfirmen.

Aus dem Hause Kaufhof, seit Oktober 2015 eine Tochter des kanadischen Konzerns Hudson's Bay Company (HBC), kommen Beschwichtigungen: Die Liquidität sei gut, mit Lieferanten werde allenfalls über eine Verlängerung der Zahlungsziele gesprochen. Davon, dass die Industrie ihre Waren nur noch gegen Vorkasse verkaufe, wie seinerzeit an Karstadt und Schlecker, sei Galeria Kaufhof weit entfernt.

Allerdings werden einige Fabrikanten sich womöglich überlegen, in welchem Umfang sie das Warenhausunternehmen noch beliefern wollen, ohne die eigene Existenz zu gefährden. Die bei ihnen eingehenden Bestellungen von Kaufhof sind statt zu 80 Prozent jetzt noch zur Hälfte und zum Teil gar nur zu 20 bis 25 Prozent abgesichert.

Kaufhof hat von dem globalen Dispokredit ohnehin nicht viel

Um Ruhe in den Markt zu bringen und seineangebliche finanzielle Stärke zu belegen, teilte der Mutterkonzern HBC mit, dass er über eine globale Kreditlinie von 2,25 Milliarden US-Dollar verfüge. Das stimmt zwar, doch führt die Angabe dieser Zahl offensichtlich in die Irre. Der Kreditrahmen war per Ende April - dem Stichtag des letzten Geschäftsquartals, über das HBC berichtete - bereits zu mehr als 900 Millionen Dollar, also knapp zur Hälfte, ausgeschöpft. Aufgrund der fortschreitenden Misere im HBC-Geschäft diesseits und jenseits des Atlantiks dürfte sich die freie Kreditlinie seit Ende April weiter verringert haben.

Kaufhof hat von dem globalen Dispokredit ohnehin nicht viel. Denn das Kreditkonsortium unter Führung der Bank of America Börsen-Chart zeigen hat sich nach Informationen von manager-magazin.de vertraglich ausbedungen, dass von der Gesamtsumme maximal 350 Millionen US-Dollar, etwa 300 Millionen Euro, vom Kaufhof genutzt werden dürfen. Auch von diesem Betrag war Ende April schon fast die Hälfte in Anspruch genommen. Der Rest ist zu gering, um das Weihnachtsgeschäft auch nur ansatzweise vorzufinanzieren.

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