Samstag, 17. November 2018

Angst um Jobs, Gewerkschaft erzürnt Angeblich Hunderte Millionen für Kaufhof-Sanierung

Sie sollen zusammengehen - und bei Kaufhof ein Viertel der Jobs wegfallen, heißt es

Offiziell ist die kolportierte Übernahme von Kaufhof durch Karstadt nicht, die Beschäftigten sich auch nicht informiert. Doch kursieren bereits Zahlen zum Stellenabbau, und Karstadt-Eigner Rene Benko will angeblich Hunderte Millionen in die Sanierung und Abfindungen stecken. Für die Gewerkschaft Verdi ist der Fall einfach nur "respektlos".

Unter den Beschäftigten der vor der Fusion mit dem Konkurrenten Karstadt stehenden Warenhauskette Kaufhof wächst die Angst um die Zukunft ihrer Stellen. Es sei "respektlos", wie durch Berichte über einen Kahlschlag bei Kaufhof mit "der Psyche unserer Kolleginnen und Kollegen umgegangen wird und Verlustängste geschürt werden", heißt es in einem internen Schreiben des Gesamtbetriebsrats an die Belegschaft, das der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorlag. Den Arbeitnehmervertretern lägen bislang keinerlei Informationen über einen Abbau vor.

Kaufhof und Karstadt stehen nach Presseberichten vor einer Fusion, die in den kommenden Tagen verkündet werden soll. Die Eigner - der nordamerikanische Konzern HBC und die österreichische Signa des Karstadt-Eigners Rene Benko - hätten sich bereits auf entsprechende Pläne verständigt. Dabei soll es auch Einsparungen geben.

Angeblich bis zu 300 Millionen Euro für Sanierung und Abfindungen

Diese könnten in der Logistik, beim Einkauf und bei den Zentralen der Handelsriesen in Essen und Köln erzielt werden, hatten Insider gesagt. Zwei Hauptsitze seien nach einer Fusion nicht mehr nötig. Den Berichten zufolge könnten bis zu 5000 Stellen beim Kaufhof auf der Kippe stehen. Die Kette beschäftigt Arbeitnehmern zufolge noch knapp 17.000 Menschen.

Der "Bild am Sonntag" zufolge will Benko für Kaufhof zwischen 250 bis 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Darin enthalten sei ein dreistelliger Millionenbetrag für Abfindungen. Ein HBC-Sprecher wollte dies nicht kommentieren, ein Signa-Sprecher war nicht zu erreichen.

Übereinkünfte zwischen Kaufhof und den Arbeitnehmern für einen Sanierungstarifvertrag oder Gespräche über einen Sozialplan gibt es Insidern zufolge indes nicht. Die Gewerkschaft Verdi hatte angesichts der Gespräche zwischen den Eignern über eine Fusion Verhandlungen mit dem Kaufhof-Management über einen Sanierungstarifvertrag auf Eis gelegt.

Bislang keine Gespräche über Sanierungstarifvertrag

Benkos Holding Signa und HBC hatten sich Anfang Juli auf eine Zusammenlegung der beiden Ketten verständigt. Signa soll bei der Fusion mit knapp 51 Prozent etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft mit ihrem Handelsexperten, dem Karstadt-Chef Stephan Fanderl, führen, hatten Insider Reuters bereits gesagt. HBC-Vertreter rücken in den Aufsichtsrat ein. Auch die Warenhaus-Immobilien des Kaufhof sollen Teil der Übereinkunft sein. Kaufhof-Eigner HBC würde bei dem Deal wohl knapp eine Milliarde Euro für Benkos Anteil am operativen Geschäft und den Warenhaus-Immobilien zufließen.

Verdi hatte Signa und HBC bereits aufgefordert, die Mitarbeiter unverzüglich in ihre Fusionsverhandlungen einzubinden. "Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben", hatte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger gesagt. Sie hatte eine Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie die Tarifbindung für Karstadt und Kaufhof gefordert.

rei/Reuters

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