Mittwoch, 12. Dezember 2018

Eckpunkte der Warenhaus-Fusion stehen Diese Frau entscheidet über die Zukunft von Karstadt und Kaufhof

Das deutsche Warenhaus ist jetzt Chefin-Sache: Helena Foulkes, CEO des Kaufhof-Eigentümers HBC.

Die Gespräche über eine Fusion der Warenhäuser Kaufhof und Karstadt sind offenbar weit gediehen. Wie viele Jobs dabei wegfallen würden, ist unklar. An dem Gemeinschaftsunternehmen soll der österreichische Karstadt-Eigner Rene Benko etwas mehr als die Hälfte der Anteile bekommen, heißt es.

Die Eckpunkte einer Fusion der kriselnden Warenhauskette Kaufhof mit Konkurrent Karstadt stehen offenbar fest. Karstadt, Karstadt Sport und Kaufhof sollten in ein Gemeinschaftsunternehmen zusammengefasst werden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Eine Entscheidung zum Stammsitz sei dabei bislang nicht gefallen. Vermutlich würden weniger als 15 Filialen geschlossen.

Nach Informationen von manager-magazin.de sah der jüngste Verhandlungsstand vor, Karstadt-Eigner Signa am Warenhausgeschäft 51 Prozent der Anteile zu geben, dem Kaufhof-Eigner Hudson's Bay (HBC) den Rest. Operativ geführt werden soll das Warenhaus-Geschäft nach diesem Szenario von derzeitigen Karstadt-Chef Stephan Fanderl.

Das Geschäft mit den Warenhaus-Immobilien soll dagegen im Verhältnis 50 zu 50 aufgeteilt werden. Ursprünglich hatte HBC-Chairman Richard Baker nach Informationen von manager-magazin.de die Immobilien ausklammern wollen, das hatte aber Signas Chef und Gründer René Benko abgelehnt. Benko ist mit Immobilien-Investments erfolgreich und wohlhabend geworden. Statt Baker führt daher seit Wochen HBC-Vorstandschefin Helena Foulkes die Verhandlungen. Foulkes führt HBC erst seit Februar, zuvor war die vierfache Mutter und Marathonläuferin lange Jahre im Top-Management der US-Drogeriekette CVS.

Nach Angaben der "Wirtschaftswoche" haben HBC und Benko am Dienstag eine Absichtserklärung unterschrieben.

Rene Benko: Der Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär hat wiederholt Interesse an dem kränkelnden Warenhauskonzern Kaufhof angemeldet

Danach solle der Stammsitz des neuen Unternehmens entweder in Köln oder an einem anderen Standort in Nordrhein-Westfalen angesiedelt werden. Als relativ sicher gelte, dass der Karstadt-Stammsitz in Essen wegfalle. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters dazu, die Gespräche kämen gut voran.


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Welche Auswirkungen der Zusammenschluss für die Mitarbeiter der beiden Ketten hat, ist dem Bericht zufolge bislang nicht genau geklärt. Die Verwaltung und der Einkauf sollten zusammengelegt und Arbeitsplätze abgebaut werden, zitierte das Magazin Verhandlungskreise. Die Schließung von Filialen im großen Stil stehe dagegen nicht zur Debatte. Zur Disposition stünden etwa 15 Filialen, die ohnehin nicht gut liefen. Informierten Kreisen zufolge könnten drei bis fünf Standorte geschlossen werden. Kaufhof betreibt in Deutschland derzeit 96 Warenhäuser, Karstadt 82.

Die Gewerkschaft Verdi forderte eine Stellungnahme der Eigentümer ein. "Es macht wenig Sinn zu spekulieren, was das alles für Auswirkungen haben könnte", sagte der Landesfachbereichsleiter von Verdi Baden-Württemberg, Bernhard Franke, der Deutschen Presse-Agentur. Die bereits begonnenen Gespräche über einen Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof könnten nicht vorankommen, wenn die Rahmenbedingungen für das Unternehmen völlig unklar seien.

Das "Wall Street Journal" berichtete seinerseits, Hudson's Bay erhalte im Zuge der Transaktion 1,1 Milliarden Euro von Signa. Signa übernehme Schulden in Höhe von 750 Millionen Euro. HBC lehnte eine Stellungnahme ab, ein Signa-Sprecher war zunächst nicht zu erreichen.

"Deutsche Warenhaus AG" rückt etwas näher

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Eigentümer beider Ketten erneut über eine Zusammenarbeit sprechen. Karstadt-Eigentümer Benko liebäugelt seit Jahren damit, auch den Kaufhof in sein Warenhausimperium zu integrieren und durch den Zusammenschluss der Rivalen eine "Deutsche Warenhaus AG" zu schaffen. Doch seine Anläufe zur Übernahme von Kaufhof waren in den vergangenen Jahren immer wieder gescheitert. Erst vor wenigen Monaten hatte HBC ein drei Milliarden Euro schweres Kaufangebot des Österreichers für den Kaufhof und ein damit verbundenes Immobilienpaket abgelehnt.

Beide Warenhausketten leiden seit Jahren unter dem Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando . Verschärft wurde die Situation durch Managementfehler.

Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Der Kölner Handelsriese kämpft seit der Übernahme durch die Kanadier Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald verhandelt deshalb zurzeit mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag, der die Kosten des Unternehmens um einen Millionenbetrag senken soll.

Doch auch Karstadt hat nach einer harten Sanierung gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Im vergangenen Geschäftsjahr wies der Konzern bei weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen bescheidenen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen Euro aus.

rei/Reuters/dpa

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