Samstag, 21. April 2018

Schweden immer tiefer in der Krise H&M blamiert sich mit rassistischer Werbung

Rassistische H&M-Werbung: "Coolest Monkey in the Jungle
Twitter/ @NerdAboutTown
Rassistische H&M-Werbung: "Coolest Monkey in the Jungle

Die schwedische Modekette H&M steckt seit Monaten in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Das Erstarken des Onlinehandels macht dem Unternehmen mit seinem großen Filialnetz schwer zu schaffen. In dieser kritischen Zeit leistet sich das Unternehmen nun auch noch einen herben Marketing-Fehler:

Die Schweden hatten einen dunkelhäutigen Jungen für einen Kapuzenpullover mit der Aufschrift "Coolest Monkey in the Jungle" (Coolster Affe im Dschungel) modeln lassen. Daraufhin erntete das Unternehmen einen wahren Shitstorm im Netz.

Der kanadische R&B-Sänger The Weeknd beendete umgehend die Zusammenarbeit mit H&M. "Ich war geschockt und beschämt von diesem Foto. Ich bin zutiefst beleidigt und werde nicht mehr mit H&M zusammenarbeiten", schrieb der 27-jährige auf Twitter. Der Musiker mit äthiopischen Wurzeln hatte bei H&M seine eigenen Kollektionen herausgebracht und für die Kette gemodelt.


Auch Ex-Tennis-Star Boris Becker zeigte sich auf Twitter erbost. "Es hört nie auf... Wann fangen wir an, Farben zu respektieren!!!" Der 50-Jährige hatte zuletzt AfD-Politiker Jens Maier angegriffen, nachdem auf dessen Twitter-Account Beckers Sohn Noah als "Halbneger" beschimpft wurde. "Es ist Zeit, aufzustehen, den Finger zu heben und auf die Straße zu gehen. Hier und auf der ganzen Welt", schrieb Becker in einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag". Rassismus dürfe einfach nicht länger hingenommen werden.

Die Modekette hat sich nach der Kritik entschuldigt und das Bild inzwischen zurückgezogen. "Wir glauben bei allem, was wir machen, an Vielfalt und Inklusion und werden all unsere internen Strategien überprüfen, um künftige Probleme zu verhindern", hieß es in einem Statement, aus dem mehrere Medien zitierten. Man werde das entsprechende Kleidungsstück weltweit aus dem Handel nehmen.

Der Pulli war Teil einer Safari-Kollektion und wurde im britischen Online-Shop angeboten. Andere Kleidungsstücke, etwa mit der Aufschrift "Überlebensexperte", wurden von weißen Kindermodels präsentiert.

Anleger werfen Aktien aus dem Depot

Auch an der Börse zogen die Rassismusvorwürfe Reaktionen nach sich. Die Aktien der schwedischen Modekette verloren am Vormittag knapp 2 Prozent und notierten mit 158,90 schwedischen Kronen auf dem tiefsten Stand seit April 2009.

Zuletzt waren die Aktien Mitte Dezember heftig unter Druck geraten, nachdem die Umsätze im letzten Geschäftsquartal 2017 überraschend gesunken waren. Insbesondere das Geschäft in den Läden verlief in dem Dreimonatszeitraum schlecht - die Kunden blieben weg. Als Reaktion darauf kündigte der schwedische Konzern an, Filialen schließen zu wollen und die Produktpalette zu überarbeiten. Die Aktie brach damals um 12 Prozent ein - der stärkste Absturz seit neun Jahren.

Zahlreiche Analysten reagierten enttäuscht, verwiesen auf strukturelle Probleme und nahmen ihre Kursziele zurück. Letztlich befinden sich die H&M-Papiere bereits seit Frühjahr 2015 auf Talfahrt. Sie hatten damals im März bei 368,50 Kronen ihr Rekordhoch erreicht, bevor es dann kontinuierlich abwärts ging.

(Lesen Sie auch den mm-Report: "Kopf & Kragen" über die Gründe für den Niedergang von H&M)

Wie andere Modehändler mit einem starken Filialnetz kämpft auch H&M mit einem veränderten Kundenverhalten durch die Ausbreitung des Onlinehandels. Dabei leiden die Gewinne auch unter den hohen Lagerbeständen. Konkurrenten wie Primark oder Zara graben dem Unternehmen im Geschäft mit günstiger, schnell wechselnder Modedas Wasser ab. So stößt H&M mit seinem klassischen Format durch den Verdrängungswettbewerb langsam an seine Grenzen.

Die Wettbewerber reagieren zur Zeit schneller als H&M auf den Umbruch der Modebranche und experimentieren mit neuen Ideen: So testet die Zara-Mutter Inditex Börsen-Chart zeigen etwa in verschiedenen Städten die Lieferung der Ware am gleichen oder am nächsten Tag und arbeitet an einer stärkeren Verzahnung von Off- und Onlinehandel. Zudem investierten die Spanier deutlich stärker in Technologien als H&M. Das zahlte sich aus: Im November und Anfang Dezember stiegen die Erlöse um 13 Prozent.

mg/dpa-afx

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