Sonntag, 4. Dezember 2016

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Vom Schnäppchen-Portal zum Mode-Outlet Wie Groupon sich neu erfindet

Groupon: Das Gutschein-Portal hat sich einen radikalen Wandel verordnet

Das Schnäppchenportal Groupon gehörte einst zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen im Internet: Doch dem kometenhaften Aufstieg folgte ein Absturz. Jetzt will das Rabattportal ein Ebay für Schnäppchen werden.

Hamburg - Eine solche Überraschung soll Eric Lefkofsky nicht mehr ereilen. Als Google im Frühjahr 2013 seinen Posteingangsordner überarbeitete und einen extra Ordner für Werbemails schaffte, rauschte der Groupon-Umsatz prompt in den Keller. Weil ihre Groupon-Mails statt im allgemeinen nun im Werbeordner landeten, machten sich viele Kunden gar nicht mehr die Mühe, sie überhaupt zu öffnen. Zweistellig sei der Rückgang gewesen, räumte Lefkowsky bei der Vorstellung der Quartalszahlen im November ein.

Ein solches Debakel soll sich nicht wiederholen. Dafür arbeitet Lefkowsky hart. Der einstige Mitgründer, der nach dem Rauswurf von CEO Andrew Mason das Ruder bei dem Schnäppchenportal im vergangenen Jahr wieder selbst übernommen hatte, will Groupon Börsen-Chart zeigen unabhängig vom Mailgeschäft machen und "von seinen täglichen Angeboten zu einem vollständigen Marktplatz" entwickeln, wie er sagt.

Einiges hat er schon erreicht. Mit dem Gutschein-Portal, das vor drei Jahren eine Sechs-Milliarden-Dollar-Offerte von Google Börsen-Chart zeigen ausschlug, hat Groupon heute nicht mehr viel zu tun. Zumindest in den USA.

Schon heute macht Groupon einen erklecklichen Anteil seines Umsatzes mit Produkten. Und die Kunden kommen längst nicht mehr alle über Newsletter. Weniger als 40 Prozent aller Geschäfte in Nordamerika kommen laut Groupn heute noch aufgrund von Email-Angeboten zustande. 6 Prozent der Nutzer hingegen kommen über Suchanfragen - ein deutlich ausgabefreudigeres Klientel als die Newsletterkundschaft.

Vom Daily-Deal zum Marktplatz

Und auch seine Geschäftspartner hat Groupon schon auf das neue Verkaufsmodell eingenordet: 3 von 4 schalten bereits jetzt Angebote auf dem Marktplatz des Rabattportals.

Lefkofsky tritt aufs Gas, um den Wandel weiter voranzutreiben. Anfang November kündigte Groupon den Kauf der koreanischen E-Commerce-Plattform Ticketmonster für 260 Millionen Dollar an. Im Januar war der Deal durch.

Mitte Januar folgte dann der nächste Schlag: Für 43 Millionen Dollar übernimmt Groupon jetzt auch noch den Internet Modeshop Ideeli, der täglich um zwölf Uhr ausgewählte Kleidungsstücke sowie Accessoires zu stark reduzierten Preisen bietet. Ein Coup, von dem sich Lefkowsky "hervorragende Beziehungen zu vielen Top-Mode-Marken" verspricht.

Doch dabei will es Groupon offensichtlich nicht belassen - und wagt sich parallel an eine andere Front vor: Die kleinen Händler.

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