Dienstag, 23. Oktober 2018

Familienfremde sollen Modefirma retten Gerry Weber: Sohn des Firmengründers tritt zurück

Stilvoll: Firmengründer Gerhard Weber (r.) zieht sich ganz zurück, Sohn Ralf wechselt in den Aufsichtsrat.
Rüdiger Nehmzow für manager magazin
Stilvoll: Firmengründer Gerhard Weber (r.) zieht sich ganz zurück, Sohn Ralf wechselt in den Aufsichtsrat.

Ralf Weber wirft als Vorstandschef des schlingernden Damenmode-Herstellers Gerry Weber das Handtuch. Der Sohn von Firmengründer Gerhard Weber tritt nach gut vier Jahren im Amt Ende des Monats zurück, wie das Unternehmen aus Halle in Westfalen am Dienstag mitteilte. Der Aufsichtsrat sei "der Bitte von Ralf Weber mit großem Bedauern" gefolgt, hieß es.

Der Schritt wirft ein Schlaglicht auf die zunehmend prekäre Lage des Unternehmens, das zuletzt 881 Millionen Euro umsetzte, dabei aber in die roten Zahlen rutschte. Gerry Weber steht unter Druck der Banken und hatte vor einer Wocheein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben. Damit soll die Zukunftsfähigkeit des Konzerns beleuchtet werden. Die Aktie ist in den vergangenen elf Monaten um 75 Prozent eingebrochen. "Mit vereinten Kräften und der Unterstützung aller in Vorstand und Aufsichtsrat werden wir Gerry Weber wieder auf Kurs bringen", sagte Ralf Weber.

Vertriebsvorstand Johannes Ehling übernimmt dann den Posten des Vorstandssprechers. Zudem holt Gerry Weber mit sofortiger Wirkung einen Sanierungsexperten in den Vorstand: Florian Frank, der seit 2010 für die Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner arbeitet, bekommt einen bis Ende 2019 befristeten Vertrag. Ein Produktvorstand werde gesucht, die vakante Position des Finanzvorstands soll "zeitnah" besetzt werden, wie das Unternehmen weiter mitteilte.

Ralf Weber wechselt in den Aufsichtsrat und löst dort seinen Vater Gerhard ab, der sich mit 77 Jahren nach Firmenangaben "aus Altersgründen" zurückzieht. Er hatte die Führung von Gerry Weber 2015 an seinen Sohn übergeben und ist derzeit stellvertretender Aufsichtsratschef. Gerhard Weber hält 29,6 Prozent der Anteile, sein Sohn 3,9 Prozent.

Reuters, soc

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH