Montag, 22. Oktober 2018

Verdacht der Steuerhinterziehung Brüssel untersucht Steuerdeals von Ikea

Ikea steht schon länger im Visier der Steuerbehörden

Amazon, Apple - nun Ikea: Die EU-Wettbewerbshüter nehmen mögliche unerlaubte Steuervorteile für den schwedischen Möbelkonzern in den Niederlanden ins Visier. Eine eingehende Prüfung wegen fragwürdiger Steuerregelungen werde eingeleitet, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit.

Durch die Regelungen mit den Niederlanden zahle die Holding Inter Ikea womöglich weniger Steuern, begründete die Brüsseler Behörde am Montag ihren Schritt. Deswegen könne das Unternehmen zu einem unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten gekommen sein, was einen Bruch der EU-Regeln zu Staatsbeihilfen darstellen würde.

"Alle Unternehmen, ob groß oder klein, multinational oder nicht, sollten ihren gerechten Steueranteil zahlen", betonte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. "Die Mitgliedstaaten können nicht zulassen, dass einige Unternehmen weniger Steuern zahlen, da sie ihre Gewinne anderswo künstlich verlagern können."

Der Brüsseler Behörde zufolge ist das Geschäft von Ikea als Franchisemodell organisiert. Das bedeutet, dass die nun im Fokus stehende Inter Ikea Gruppe nicht Eigentümer der einzelnen Ikea-Geschäfte ist. Stattdessen zahlen alle Ikea-Shops weltweit eine Franchisegebühr in Höhe von 3 Prozent des Umsatzes an eine in den Niederlanden ansässige Tochterfirma mit dem Namen Inter Ikea Systems.

Ikea soll Franchisegewinne verlagert haben

Ein erheblicher Teil der Franchisegewinne von Inter Ikea Systems soll zwischen 2006 bis 2011in eine luxemburgische Einheit verlagert worden sein, in der sie nicht besteuert wurden.

Ikea indes wies die Vorwürfe möglicherweise illegaler Steuervorteile in den Niederlanden zurück. "Die Art und Weise, wie wir von den nationalen Behörden besteuert wurden, steht unseres Erachtens im Einklang mit den EU-Vorschriften", teilte das Unternehmen am Montag mit.

Die EU-Kommission schaut sich seit einiger Zeit die Steuervereinbarungen von Mitgliedsländern mit internationalen Konzernen genauer an. Im November wurde eine Untersuchung zu britischen Steuernachlässen für Konzerne eingeleitet, mit deren Hilfe die Verlagerung von Firmenzentralen auf die Insel unterstützt werden sollte.

EU-Kommissarin Vestager hatte zuletzt unter anderem mit einer Entscheidung gegen den US-Technologiekonzern Apple für Aufsehen gesorgt. Eine Steuerregelung Irlands für den Konzern war demnach illegal, das Land muss nun gut 13 Milliarden Euro an Steuern eintreiben. Irland und Apple wehren sich vor Gericht gegen den Entscheid.

Zugleich sucht und findet Apple offenbar neue Steuertricks: Im Zuge des erhöhten Drucks der EU-Kommission verlegte der Konzern kurzerhand den steuerlichen Sitz zweier wichtiger Tochterfirmen von Irland auf die Kanalinsel Jersey. Der Steuersatz soll dort lediglich 0 Prozent betragen.

rei/Reuters/dpa

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