Mittwoch, 19. September 2018

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte Die Mutter der Barbie-Puppe

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte: Die Mutter der Barbie-Puppen
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AFP

Deutschland versucht mit der Quote, Frauen in die Top-Jobs der Wirtschaft zu bringen. In einer losen Reihe stellen wir Frauen vor, die sich mit ganz besonderen Fähigkeiten nach oben gekämpft haben. Ruth Handler hat Mattel mit der Barbie zur einst größten Spielzeugfirma der Welt gemacht.

Sie hat die wohl unrealistischste Figur, die eine Frau haben kann: Wespentaille, großer Busen und endlos lange, schlanke Beine. Dazu ewig glänzend-blonde Haare, immer ein Lächeln auf den geschminkten Lippen und strahlend blaue Augen. Böse Zungen könnten behaupten, ein Mann habe Barbie entwickelt, um schon kleine Mädchen auf den Schlankheitstripp zu bringen. Allerdings hatte ihre Erfinderin Ruth Handler ganz andere Absichten - und musste die Männer in ihrem Umfeld erst einmal von dieser völlig neuartigen Puppe überzeugen.

Dabei ist die Amerikanerin keine Unbekannte in der Spielzeugbranche, als Barbie Ende der 1950er Jahre erschaffen wird. 1916 in Denver als eins von zehn Kindern jüdischer Immigranten aus Polen geboren, ist sie Mitgründerin und Vizepräsidentin von Mattel, dem Shooting-Star unter den US-Spielzeugkonzernen.

In ihrer Familie ist eine arbeitende Frau nicht ungewöhnlich, da viele Verwandte so arm sind, dass die ganze Familie etwas zum Lebensunterhalt beitragen muss. In ihrer Branche ist sie dennoch eine Exotin. Nicht nur einmal muss eine Tagung verlegt werden, weil Handler am eigentlichen Veranstaltungsort - elitären Männerclubs - nicht hätte teilnehmen dürfen.

Eigentlich wollten Ruth, ihr Mann und ein Bekannter nur Bilderrahmen herstellen. Doch bald kommen Puppenstubenmöbel hinzu. Und die Plastikgitarre "Uke-a-Doodle", mit der Kinder tatsächlich Geräusche machen können - der erste große Hit von Mattel. Ruth hat ein Händchen fürs Marketing, ihr Mann entwirft die Spielzeuge. Sechs Jahre nach der Gründung hat das Unternehmen schon 600 Angestellte.

Barbies Initialzündung: Anziehpuppen aus Papier

1955 fädelt die gelernte Sekretärin und Mutter zweier Kinder den Werbedeal ihres Lebens ein. Für eine halbe Million Dollar wird Mattel Hauptwerbeträger der Kinderfernsehsendung "Mickey Mouse Club". Ein wahrer Umsatzbooster für die Firma, die ihre Zielgruppe nun landesweit regelmäßig mit Werbung versorgt - ohne die möglicherweise kritischen Eltern dazwischenzuschalten.

Nächster Plan: Mattel will in den Puppenmarkt einsteigen. Der wird momentan von großen Babypuppen aus Deutschland dominiert. Handlers Berater empfehlen deshalb eine Sprechpuppe. Aber Ruth hat eine andere Idee. Sie hat ihre Tochter Barbara und ihre Freundinnen beim Spielen beobachtet. Die Mädchen stehen mehr auf erwachsen aussehende Modelle, die sie stundenlang an- und ausziehen. Die gibt es bislang aber nur aus Papier zum Ausschneiden.

Ruth will so eine Puppe aus Plastik. Mit Rundungen, wie sie eine erwachsene Frau haben kann. Denn für Ruth ist das Spielzeug eine Möglichkeit für kleine Mädchen, sich als Erwachsene zu träumen. Und da gehören Brüste dazu.

Unmöglich, sagen ihre Berater. Keine Mutter würde ihrer Tochter eine Puppe mit einer richtigen Oberweite kaufen. Ruth zieht erst einmal den Kürzeren. Aber auf einer Europareise mit Mann und Kindern sieht sie 1956 "Lilli", eine Puppe, die nach einem Comic der "Bild"-Zeitung produziert wird. Sie verdient als Sekretärin ihr eigenes Geld und tauscht sich mit Freundinnen über ihre Liebhaber aus. Gut, ob Ruth letzteres gefallen hat, sei dahingestellt. Aber sie kauft die Rechte an "Lilli" und überzeugt ihren Mann, die Puppe verbessern zu lassen.

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