Donnerstag, 21. März 2019

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte Die Mutter der Barbie-Puppe

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte: Die Mutter der Barbie-Puppen
AFP

2. Teil: Nach dem Rückzug bei Mattel stellt Handler Brustimplantate her

Für "Barbie" - benannt nach Handlers Tochter Barbara - wird nichts dem Zufall überlassen. Mehrere Haarstylisten beschäftigen sich in der Entwicklungsphase mit ihrer Frisur. Für die ersten Outfits - 20 an der Zahl, von Tennisrock bis Abendkleid - engagiert Ruth eine Modedesignerin. Auch größere Pannen können sie nicht von ihrem Projekt abbringen. Um Geld zu sparen, soll Barbie in Japan produziert werden. Doch die Arbeiterinnen malen ihr Mandelaugen auf - in den USA nicht zu verkaufen.

Als Mattel die Puppe 1959 auf der Spielzeugmesse in New York präsentiert, sind die Händler skeptisch. Genau wie Ruths Berater können sie sich nicht vorstellen, dass Barbie ein Erfolg wird. Sie setzen eher auf ein neues Spielzeuggewehr. Für drei Dollar kommt die Puppe in die Läden, mit dunkel umrandeten Augen, knallroten Lippen und goldenen Ohrringen. Nicht zu vergessen der Badeanzug und die modischen Schuhe, die an den Zehen offen sind. Um die Kaufwut der Mädchen noch weiter anzuheizen, gibt es die zusätzliche Outfits für ein bis fünf Dollar.

Die Kundinnen belehren alle Skeptiker eines Besseren. Innerhalb des ersten Jahres verkauft Mattel - nach eigenen Angaben - 300.000 Barbies. Die dünne Plastikpuppe mit den großen Brüsten bringt dem Unternehmen den internationalen Durchbruch. 1968 ist die Aktiengesellschaft mit einem Umsatz von 100 Millionen Dollar der größte Spielzeughersteller weltweit.

Barbie macht Karriere

Für Ruth hört die Glückssträhne kurz danach auf. 1970 wird bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, sie muss sich eine Brust amputieren lassen. Wenige Jahre später ziehen ihr Mann und sie sich aus der Firma zurück. Trotzdem muss Ruth 1978 mit anderen Mattel-Verantwortlichen wegen Betrugs und Vorlage falscher Bilanzen vor Gericht verantworten. Sie wird zu einer Geldstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Später gründet Ruth Handler eine neue Firma. Sie produziert Brustimplantate, denn durch ihr eigenes Schicksal ist ihr aufgefallen, dass passende Implantate eine echte Marktlücke sind. Den kommerziellen Erfolg wie mit Barbie hat sie damit aber nie.

Handlers Erwachsenenpuppe mit den großen Brüsten legt in den nächsten 55 Jahren eine echte Karriere hin, wird Ärztin, Astronautin - und heutzutage sogar Businessfrau. Unumstritten ist sie nie, Feministinnen kreiden ihr die magersüchtige, viel zu perfekte Figur an - und die langen Jahre, in denen die Mini-Frau zwar eine tolle Abendgarderobe, aber eben kein Geschäftsoutfit besaß.

Ruth Handler konnte diese Kritik nicht nachvollziehen. Für sie ist Barbie von Anfang an ein Mittel, mit dem sich Mädchen in jede erdenkliche Rolle hineinversetzen können: Sie haben alle Wahl der Welt. 2002 stirbt die Mattel-Mitgründerin. Und obwohl sie viel mehr auf den Markt gebracht hat als die kleine Plastikpuppe, wird sie immer noch vor allem mit der Barbie verbunden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf BizzMiss - dem Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance. Einmal wöchentlich erscheint der Newsletter mit den interessantesten Lesetipps der Woche.

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